DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 5. Dezember 2003
Deutscher Lehrerverband (DL):
"Auf die Bildungsstandards müssen jetzt schulische Abschlussprüfungen folgen"
- Keine Berechtigung ohne Prüfung!
- Andernfalls Abtauchen unter die Messlatten zu befürchten
- Länder mit Abschlussprüfungen haben die Nase vorn
Der Deutsche Lehrerverband
(DL) hat die Kultusministerkonferenz (KMK) aufgefordert, jetzt nicht bei
den soeben beschlossenen sog. Bildungsstandards stehen zu bleiben, sondern
von allen 16 Bundesländern an Realschulen, Gesamtschulen sowie vergleichbaren
Schulformen eine Abschlussprüfung zum Erwerb der sog. Mittleren Reife
zu verlangen.
Im Einzelnen erläuterte DL-Präsident Josef Kraus diese Forderung wie folgt:
„Die aktuellen Bildungsstandards
sind zwar das Anspruchsvollste, was die KMK in den vergangenen Jahren zustande
gebracht hat. Jetzt geht es aber darum, ein Wegtauchen einzelner Bundesländer
oder Schulformen unter dieser Messlatte zu verhindern.
Alle Bundesländer
und Schulformen müssen sich jetzt nach der Decke strecken. Ein sanfter
Zwang in diese Richtung wäre das Etablieren je nach Bundesland einheitlicher
Abschlussprüfungen zur Mittleren Reife. Die Mehrzahl der Bundesländer
vergibt diesen Abschluss ohne jede Abschlussprüfung. Bezeichnenderweise
schneiden solche Länder (z. B. die Stadtstaaten, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen)
im innerdeutschen PISA-Vergleich am schwächsten ab. Bundesländer
dagegen, die den Erwerb der Mittleren Reife vom Bestehen einer landeseinheitlichen
Prüfung abhängig machen, rangieren auch in PISA innerdeutsch an
der Spitze, nämlich Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen,
Sachsen.
International sind
zentrale schulische Abschlussprüfungen üblich. Mehrere Schulleistungsstudien
der letzten Jahre haben eindrucksvoll bestätigt, dass solche Prüfungen
dynamisierend auf die gesamte Schullaufbahn zurückwirken.
Konkret sollte eine
Mittlere-Reife-Prüfung allen Schülern der Realschulen und Gesamtschulen
in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und in einem frei wählbaren
Profilfach abverlangt werden.
Ansonsten ist es höchste
Zeit, dass die KMK die seit 1993 geltende windelweiche Vereinbarung zur bundesweiten
Anerkennung Mittlerer Schulabschlüsse (sog. KMK-Orientierungsrahmen)
über Bord wirft und eine neue anspruchsvollere etabliert.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs, DL
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