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Aus "Handelsblatt Online" vom 28. Juni 2010
DL-Präsident Josef Kraus zum Thema "Intelligenztests für Migranten"
Zum Vorschlag
einzelner Unionspolitiker, Migranten zukünftig einen
Intelligenztest abzuverlangen, nahm Lehrerverbandspräsident Josef
Kraus wie folgt Stellung:
"Von einem solchen Intelligenztest halte ich nicht viel. Die
meisten dieser Tests sind sprachgebunden. Das heißt, wer die Sprache des Tests
nicht gut genug versteht, der schneidet im IQ-Test schlecht ab, wiewohl er
womöglich einen hohen IQ hat. Die Aussagekraft von sprachunabhängigen und
kulturunabhängigen IQ-Test dagegen ist sehr
begrenzt.
Allerdings halte ich einen
anspruchsvollen Sprachtest für sinnvoll.
Das Beherrschen der Landessprache des Ziellandes von Migranten
ist schließlich das A und O der gesellschaftlichen, staatsbürgerlichen,
wirtschaftlichen und schulischen Integration. Mangelndes Sprachverständnis und
mangelnde Sprachbeherrschung dagegen behindern die Integration und provozieren
das Entstehen von Parallelgesellschaften.
Gegen diesen Grundsatz hat eine reichlich
romantisierende deutsche Migrationspolitik jahrzehntelang verstoßen. Insofern
ist es kein Wunder, dass besonders Kinder von Migranten aus der Türkei, aus
arabischen Ländern und aus Ex-Jugoslawien bei Schulleistungstests schlecht
abschneiden und sehr häufig ohne Schul- und Berufsabschluss
bleiben.
Deutschland hätte hier längst von anderen
Zuwanderungsländern lernen sollen. Kanada, Australien oder Neuseeland etwa
nehmen – außer aus humanitären Gründen - nur Migranten auf, deren Qualifikation
man brauchen kann und die die jeweilige Landessprache solide beherrschen."
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