| DEUTSCHER LEHRERVERBAND
(DL) - AKTUELL |
9. Dezember 2008
Stellungnahme von
DL-Präsident Josef Kraus zur IGLU-Studie
In einer ersten Stellungnahme zur
heute veröffentlichten IGLU-Studie sagte der Präsident des Deutschen
Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus:
„Es ist schön, dass nach den Sachsen
bei PISA jetzt mit Thüringen bei IGLU ein weiteres Mal ein ostdeutsches Land
knapp den ersten Platz errungen hat. Das tut der oft gebeutelten ostdeutschen
Seele gut. Wenn man alle Ergebnisse und Rangplätze aller Leistungstests freilich
zusammennimmt, dann hält sich doch Bayern an der Spitze. Der Ehrlichkeit halber
muss man auch anfügen, dass die gewiss lobenswerten Leistungen der Schüler und
Lehrer in Thüringen mit Umständen zu tun haben, wie man sie so günstig in den
alten Ländern nicht hat. Ostdeutsche Klassen sind nämlich wegen eines
dramatischen Geburtenrückgangs seit der Wiedervereinigung erheblich kleiner als
westdeutsche, und sie haben kaum Kinder mit Migrationshintergrund. Das wirkt
sich gerade bei einem Lese- und Verständnistest natürlich aus. In den
ostdeutschen Ländern gibt es im Schnitt eben nur zwei bis vier Prozent
Migranten, in den westdeutschen 15 bis 30. Außerdem kommen die in den neuen
Ländern lebenden Migranten zumeist aus völlig anderen Ethnien (z.B. Vietnamesen)
als die in den alten Ländern (z.B. Türken). Eine Rolle spielt zudem, und das ist
wiederum eigenes Verdienst, dass Klassen in den ostdeutschen Ländern wohl
konsequenter geführt werden. Für die Politik liegen die Konsequenzen auf der
Hand: Wir brauchen überall kleinere Klassen und Fördergruppen. Außerdem muss
noch einiges unternommen werden, damit Migrantenkinder solide deutsche
Sprachkenntnisse
erwerben.“
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