DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn,
28. Januar 2004
Deutscher Lehrerverband (DL) :
"Die Schulpolitik
darf sich mit der IGLU-Studie nicht in die Tasche lügen"
- "Deutschland hat bei IGLU
nicht besser abgeschnitten als bei PISA"
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus,
nimmt zu der heute veröffentlichten IGLU-Studie wie folgt Stellung:
„Schulpolitik und Schulforschung dürfen sich jetzt nicht erneut in
die Tasche lügen, vor allem sollten sie nicht den Fehler machen, sich
das deutsche IGLU-Ergebnis schönzureden. Deutschland hat im internationalen
Vergleich bei IGLU nicht besser abgeschnitten als bei PISA. Zehn Länder*,
die in der PISA-Skala vor Deutschland liegen, haben sich bei IGLU nicht
beteiligt. Die IGLU-Ränge und die PISA-Ränge sind also nicht miteinander
vergleichbar. Insgesamt sind es nur 15 Nationen, die sich zugleich an PISA
und an IGLU beteiligt haben. Nimmt man nur diese 15 Länder, dann liegt
Deutschland bei PISA auf Rang 11 und bei IGLU auf Rang 8. Auch sonst sind
die jeweiligen Ränge nicht miteinander vergleichbar, denn rein nach
Rangplatz stehen mehrere PISA-Länder auf der IGLU-Skala um bis zu elf
Rangplätze schlechter bzw. um bis zu 23 Rangplätze besser da.
Bei PISA wurden ferner Fünfzehnjährige unabhängig von der
besuchten Klasse getestet, bei IGLU Viertklässler unabhängig vom
Lebensalter. Da deutsche Schüler im internationalen Vergleich deutlich
später eingeschult werden, hängen die bei PISA getesteten deutschen
Schüler schulisch hinterher, während die bei IGLU Getesteten älter
sind als ihre Klassenkollegen in anderen Ländern. Wäre bei PISA
ebenfalls nach Klassen getestet worden, hätten die Deutschen hier besser,
und wäre bei IGLU nach Alter getestet worden, hätten die Deutschen
hier schlechter abgeschnitten.
Alles in allem: Aus den scheinbar unterschiedlichen deutschen PISA- bzw.
IGLU-Rängen schulpolitische Schlussfolgerungen zu ziehen, ist naiv
und absolut unwissenschaftlich.“
* Es handelt sich um Finnland, Australien, Irland, Korea, Japan,
Österreich, Belgien, Dänemark, Schweiz, Spanien
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
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