DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

"Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" - Meldungen - vom 6. April 2003

"PISA und IGLU-Ränge sind nicht miteinander vergleichbar"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat davor gewarnt, die Ergebnisse der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung "Iglu" überzubewerten. Wie es heißt, liegen die deutschen Viertkläßler nach dieser Studie auf Rang elf. Auf den ersten drei Plätzen sind Schweden, Großbritannien und die Niederlande. Die "Iglu"-Studie hat die Lesekompetenz und das Verständnis vonTexten bei 147.000 Schülern aus 35 Nationen getestet. Am Dienstag sollen die Resultate offiziell vorgestellt werden. In Deutschland haben etwa 10.000 Kinder an etwa 250 Schulen die Testbögen ausgefüllt. Lehrerverbandspräsident Kraus warnt vor allem davor, die "Iglu"-Rangliste mit den Ergebnissen der Pisa-Studie zu vergleichen. Damals kamen die deutschen Fünfzehnjährigen und ihre Lesekompetenz unter 31 Nationen nur auf den 21. Platz. Kraus verweist auf die methodischen Unterschiede. Die Pisa-Studie habe beim Lebensalter angesetzt. Wegen der späteren Einschulung hätten deutsche Fünfzehnjährige im Vergleich zu den Gleichaltrigen in anderen Ländern jedoch ein Jahr weniger Schule hinter sich. Die "Iglu"-Studie gehe dagegen von der Jahrgangsstufe aus. Die deutschen Viertkläßler seien somit älter als Grundschüler anderswo. Deswegen schneide Deutschland nun nicht so schlecht wie bei Pisa ab. Ob dies tatsächlich ein besseres Ergebnis bedeute, bezweifle er. Aussagekräftig wäre nach Ansicht von Kraus nur ein innerdeutscher Vergleich über das Leseverhalten der Grundschüler. Da aber nenne die "Iglu"-Studie weder Roß noch Reiter.

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