DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Aus dem RHEINISCHEN MERKUR vom 28. August 2003

LEHRER - MEHR FRUST ALS LUST?

Ist eine duale Ausbildung mit Trainee-Programm à la Wirtschaft besser als das herkömmliche Studium mit Referendatiat? Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt jedenfalls hält die angehenden Lehrer für ungenügend qualifiziert. Falsch, sagen Schul-Praktiker. Ein "Master of Education" macht den Unterricht nicht besser.

Fachlich und pädagogisch hervorragende Leistungen

Von Josef   K r a u s
 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)

Man kann Wetten darauf abschließen: Jedes Jahr im August meint Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt, sich über Schule im Allgemeinen und über Lehrer im Besonderen äußern zu müssen. Regelmäßig gerät ihm dies zur Attacke gegen Deutschlands 750.000 Lehrerinnen und Lehrer. Am Ende wird dann wieder etwas zurückgerudert: Man habe es nicht so gemeint, wie es in den Schlagzeilen rübergekommen sei. Aber erst mal wird ins Sommerloch gesetzt, dass sich die Lehrer in eben diesem gefälligst fortzubilden hätten, dass sie entbeamtet werden müssten oder dass sie - wie in der neuen Broschüre gefordert - überhaupt und völlig anders ausgebildet werden sollten: „dual“ nämlich per Bachelor/Master-Studium und per „Trainee“-Programm. Am Ende steht dann der „Master of Education“ (so die neue Berufsbezeichnung à la BDA).

Um mit solchen Ideen wahrgenommen zu werden, bedarf es eines Katastrophenszenarios. „Die angehenden Lehrer werden in ihrer derzeitigen Ausbildung ... nur ungenügend qualifiziert“, schreibt Hundt im Vorwort seiner „Master“-Broschüre. „Da können Sie jeden Lehrer fragen“, schickt er eine Mitarbeiterin eilfertig hinterher. Fragen aber sollten sich die Verfasser des „Master“-Papiers, wie es bei ihnen mit der „Wahr“-Nehmung der Realitäten aussieht. Hätten sie genauer hingeschaut, dann hätten sie feststellen können:  Die Bundesländer verlangen von Lehramtsstudenten bis zu vier Praktika, und ein Trainee-Programm ist exakt das, was das Referendariat veranstaltet. Dann hätten sie über ihren Vorschlag nachdenken müssen, die Inhalte eines Lehramtsstudiums an den Schulstandards zu orientieren; schließlich muss ein Lehramtsstudium fachlich weit über das hinausgehen,  was die Schule den Schülern abverlangt. Dann hätten sie vor allem zur  Kenntnis nehmen können, dass gerade junge, frisch aus der Ausbildung kommende Lehrer an unseren Schulen fachlich und pädagogisch Hervorragendes leisten.

Dass in Zeiten überfälliger bildungspolitischer Weichenstellungen auch über die Lehrerbildung debattiert werden muss, ist unumstritten. Die Lehrer selbst sind gern bereit, dies mitzumachen, und sie tun es ja vernehmbar. Sie werden es sich angesichts schlauer „Master“-Vorschläge aber bald nur noch schwerlich verkneifen können, der Wirtschaft ebenso schlaue Ratschläge zu geben, wie sie ihre Bosse zu rekrutieren und zu qualifizieren hat. Wie die Realitäten im deutschen Wirtschaftsmanagement aussehen, wäre dies durchaus nicht unangebracht.

Ansonsten sollten die organisierten Arbeitgeber sich einer gewissen Askese befleißigen: Sie müssen nicht zu jedem Thema ihren Senf beitragen.

Oberlehrer Hundt, das war wohl nichts! Ungenügend, setzen!


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