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Man kann Wetten
darauf abschließen: Jedes Jahr im August meint Arbeitgeber-Präsident Dieter
Hundt, sich über Schule im Allgemeinen und über Lehrer im Besonderen äußern
zu müssen. Regelmäßig gerät ihm dies zur Attacke gegen Deutschlands 750.000
Lehrerinnen und Lehrer. Am Ende wird dann wieder etwas zurückgerudert: Man
habe es nicht so gemeint, wie es in den Schlagzeilen rübergekommen sei. Aber
erst mal wird ins Sommerloch gesetzt, dass sich die Lehrer in eben diesem
gefälligst fortzubilden hätten, dass sie entbeamtet werden müssten oder dass
sie - wie in der neuen Broschüre gefordert - überhaupt und völlig anders
ausgebildet werden sollten: „dual“ nämlich per Bachelor/Master-Studium und
per „Trainee“-Programm. Am Ende steht dann der „Master of Education“ (so
die neue Berufsbezeichnung à la BDA).
Um mit solchen Ideen
wahrgenommen zu werden, bedarf es eines Katastrophenszenarios. „Die angehenden
Lehrer werden in ihrer derzeitigen Ausbildung ... nur ungenügend qualifiziert“,
schreibt Hundt im Vorwort seiner „Master“-Broschüre. „Da können Sie jeden
Lehrer fragen“, schickt er eine Mitarbeiterin eilfertig hinterher. Fragen
aber sollten sich die Verfasser des „Master“-Papiers, wie es bei ihnen mit
der „Wahr“-Nehmung der Realitäten aussieht. Hätten sie genauer hingeschaut,
dann hätten sie feststellen können: Die Bundesländer verlangen von Lehramtsstudenten
bis zu vier Praktika, und ein Trainee-Programm ist exakt das, was das Referendariat
veranstaltet. Dann hätten sie über ihren Vorschlag nachdenken müssen, die
Inhalte eines Lehramtsstudiums an den Schulstandards zu orientieren; schließlich
muss ein Lehramtsstudium fachlich weit über das hinausgehen, was die Schule
den Schülern abverlangt. Dann hätten sie vor allem zur Kenntnis nehmen können,
dass gerade junge, frisch aus der Ausbildung kommende Lehrer an unseren Schulen
fachlich und pädagogisch Hervorragendes leisten.
Dass in Zeiten überfälliger
bildungspolitischer Weichenstellungen auch über die Lehrerbildung debattiert
werden muss, ist unumstritten. Die Lehrer selbst sind gern bereit, dies mitzumachen,
und sie tun es ja vernehmbar. Sie werden es sich angesichts schlauer „Master“-Vorschläge
aber bald nur noch schwerlich verkneifen können, der Wirtschaft ebenso schlaue
Ratschläge zu geben, wie sie ihre Bosse zu rekrutieren und zu qualifizieren
hat. Wie die Realitäten im deutschen Wirtschaftsmanagement aussehen, wäre
dies durchaus nicht unangebracht.
Ansonsten sollten
die organisierten Arbeitgeber sich einer gewissen Askese befleißigen: Sie
müssen nicht zu jedem Thema ihren Senf beitragen.
Oberlehrer Hundt, das war wohl nichts! Ungenügend, setzen!
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