DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

  "Bayern 1 - Kompakt"  vom 29. Januar 2005

Die bayerischen Schulen - Bestandsaufnahme zur Halbzeit des Schuljahres

Hohlmeier contra Kraus


Es ging zur Sache in Bayern 1-Kompakt zum Thema "Schule". Unterrichtsausfall, erste Erfahrungen mit dem achtjährigen Gymnasium G 8, Büchergeld - die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier und der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus fanden kaum Einigkeit in diesen Punkten.

Die beiden Schulexperten waren zwei Stunden lang Gast im "Langen Samstag" bei Thomas Ohrner, diskutierten und nahmen Stellung zu Hörerfragen.

Unterrichtsausfall

Monika Hohlmeier wehrte sich gegen den Vorwurf, der Unterrichtsausfall wäre durch ihr Ministerium bedingt. Sie verwies auf die Stichprobe am 16. November vergangenen Jahres. Damals fielen im Durchschnitt an den Grundschulen ein Prozent, an den weiterführenden Schulen bis zu drei Prozent  aus. Josef Kraus konterte und sprach von einer "kreativen Buchführung" bei der Statistik. Er rechnet mit bis zu sieben Prozent Ausfall. "Das kann sich im Laufe einer  Schulkarriere schon bis zu einem Jahr summieren." Die 800 neuen Lehrer, die demnächst zur Verfügung stehen, würden das Problem nicht beheben. Bei 6000 Schulen in Bayern  seien das gerade mal 0,13 Lehrer pro Schule.

Kraus schlug vor, den Schulen eine fünfprozentige Vertretungsreserve zu gewähren. Wenn Unterricht ausfällt, springen diese Lehrkräfte ein. Wenn sie als Springer nicht gefordert sind, geben sie Förderunterricht.

Hunderte von Hörern riefen an. Immer wieder forderten die Väter und Mütter kleinere Klassen für ihre Kinder. Die Kultusministerin verwies auf den finanziellen Rahmen. "Wenn man das alles finanzieren müsste, das ginge in den Bereich 300, 400, 500 Millionen."

Achtjähriges Gymnasium G 8

"Vorrücken gefährdet" würde Kraus dem achtjährigen Gymnasium ins Zwischenzeugnis schreiben. Kraus, selbst Schulleiter am Gymnasium in Vilsbiburg, ist vom Segen der neuen weiterführenden Schulart bisher nicht überzeugt. Nach einem halben Jahr Erfahrung attestiert er dem G 8 zu wenig Wahlunterricht, Mängel bei der Mittagsbetreuung, zu späte Heimkehr der Schüler. "Die Einführung war eine Nacht- und Nebelaktion, nicht aus einem Guss. Ein, zwei Jahre mehr Zeit hätten Not getan", so der Lehrerverbandschef.

Monika Hohlmeier sieht das G 8 hingegen jetzt schon als Erfolgsmodell. Der neue Förderunterricht komme sehr gut an, die Mittagversorgung sei bei 80 Prozent der Gymnasien inzwischen gelöst. Wenn es hängt, dann liegt das an der jeweiligen Schule und nicht am Ministerium. "Das begründet sich nicht in der Fehlorganisation des Staates. Das begründet sich darin, dass man draußen nicht die adäquaten Lösungen gefunden hat", so die Ministerin.

Büchergeld

Ab dem Schuljahr 2005/2006 fällt für Grundschüler künftig ein Büchergeld in Höhe von 20 Euro pro Schuljahr an, für alle Schüler ab der fünften Jahrgangsstufe wird das Büchergeld 40 Euro betragen. Für Familien mit geringem Einkommen und Familien mit mehr als zwei Kindern sind Lernmittel auch weiterhin kostenlos.

"Moderat" nannte die Kultusministerin diesen Betrag. Damit könnten Fehlbestände ersetzt und alle sieben jahre die Bücher ersetzt werden. Kraus hat beim Büchergeld seine Bedenken. Er meint, das könnte geringer Verdienende abschrecken, ihre Kinder an weiterführende Schulen zu schicken. Er warnte vor einer sozialen Selektion.

Ein klein bisschen Einigkeit fanden die beiden Kontrahenten zum Schluss dann doch. Den Eltern darf nicht ständig zusätzlich finanziell etwas zugemutet werden. Noch mehr Übungshefte, noch mehr Exkursionen? Da soll es bald eine definitive Obergrenze geben.

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