DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL


Pro Hauptschule

Josef Kraus im Klett-Themendienst vom August 2007



Die Forderung nach der Abschaffung der Hauptschule ist Schaufensterpolitik. Kein einziges schulpolitisches oder schulpädagogisches Problem wäre damit gelöst, es würde nur umetikettiert. Hauptschule hat nun einmal eine heterogene, herausfordernde Klientel, die einer besonderen Förderung bedarf – einer Förderung, die eine moderne Hauptschulpädagogik am besten leisten kann. Mit der Kappung der Hauptschule wäre deren Schülerschaft nicht verschwunden, wie durch ein Wunder zu einer motivierten geworden oder auf dem Arbeitsmarkt plötzlich besser vermittelbar. Eine Abschaffung der Hauptschule oder deren Zusammenlegung mit der Realschule schafft für die originäre Hauptschülerschaft auch keine einzige Lehrstelle und keinen einzigen Arbeitsplatz zusätzlich. Es wird auch gerne übersehen, dass 85 Prozent der ehemaligen Hauptschüler vier Jahre nach ihrem Schulabschluss ein festes Beschäftigungsverhältnis haben.

Überhaupt sollte man die Kirche im Dorf lassen: Es gibt in Deutschland 7.000 Hauptschulen, die nicht nur auf dem flachen Land, sondern oft auch in Ballungsgebieten Hervorragendes leisten. In den sog. alten Ländern besuchen nach wie vor über 30 Prozent der Vierzehnjährigen eine Hauptschule; allein von daher ist die Hauptschule keine Restschule. Solche Etikettierungen sind menschenverachtend. Wenn 30 Prozent als Rest gelten müssten, dann wären Parteien mit 30-prozentigen Wahlergebnissen keine Volks-, sondern Restparteien.

Zudem ist der seit 1999 vom jeweiligen Bundespräsidenten verliehene deutsche Hauptschulpreis eindrucksvoller Beweis für die großartigen Leistungen vieler Hauptschulen und Hauptschüler. Vor diesem Hintergrund ist es schäbig, die schwierige Situation verschiedener Hauptschulen für uralte Gesamtschulträume zu instrumentalisieren. Die Alternative zur Hauptschule kann insgesamt nur eine verbesserte Hauptschule sein, die in sich noch mehr differenziert und fördert und deren Absolventen von einer hoffentlich verantwortungsbewussten Wirtschaft angenommen werden.


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