DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) -
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Aus "Das Parlament" vom 27. Oktober 2008
Nach dem Bildungsgipfel:
Fünf Fragen an Josef Kraus
Auch
nach dem Bildungsgipfel ist unklar, wer zu welchem Zeitpunkt die
zusätzlichen Gelder für die Bildung bereitstellen soll. Sind
Sie enttäuscht?
Bei den dringendsten Problemen hat uns der
Bildungsgipfel leider keinen Schritt vorangebracht. Wir müssen besonders
schwache und starke Schüler gezielt fördern und den Lehrermangel bekämpfen. Es
braucht eine inhaltliche Festlegung von Schulstoff in den einzelnen
Fachbereichen und nicht nur vage
Standards in bestimmten, vor allem naturwissenschaftlichen Bereichen. Wir sollen
mündige Kultur- und Staatsbürger heranziehen, aber wenn ich sehe, wie wenig die
Schüler etwa im Bereich der Zeitgeschichte wissen, wird mir Angst und Bange. Und
beim Geld wäre ich glücklich gewesen, wenn es konkrete Vereinbarungen gegeben
hätte.
Glauben Sie nicht, dass das Geld kommen
wird?
Ich habe meine Zweifel. Wenn ich gerade sehe, welche
Auswirkungen die Finanzkrise hat, könnte ich mir gut vorstellen, dass die
Finanzminister ihre Begehrlichkeiten haben. Da wird wohl eher spekuliert, dass
man im Bildungsbereich noch sparen kann. Ich halte es da mit Faust: Die
Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der
Glaube.
Ist an der Misere auch die Tatsache schuld, dass Bildung
seit der Föderalismusreform allein Sache der Länder
ist?
Nein, ich glaube nicht. Die Reform hat dazu geführt,
dass wir im Bildungsbereich Wettbewerb haben und man sich nicht zentralstaatlich
auf unterstem Niveau einigt. Es ist ja schon gelungen, zentrale Abiturprüfungen in fast allen
Bundesländern zu installieren, das ist der
richtige Weg. Natürlich sehe ich mit Bedauern das enorme Süd-Nord-Gefälle, aber immerhin haben
wir auch Bundesländer, wo das Bildungsniveau im internationalen Vergleich sehr
gut ist. Da erwarte ich einfach, dass sich die schwächeren Länder ein bisschen
nach der Decke strecken. Das wird aber mit den derzeitigen Rahmenbedingungen
schwer.
Warum?
Von insgesamt 800.000 Lehrern gehen in den nächsten zehn
Jahren 300.000 in Rente. Ich habe Angst, dass man den Rückgang der Schülerzahlen
dazu nutzen wird, an dieser Stelle zu sparen. Aber so kann man weder die
angestrebte Verjüngung der Lehrerschaft noch pädagogische Verbesserung
erreichen.
Sie sind selbst Leiter eines Gymnasiums. Mit welchen
Neuerungen könnten Sie am meisten anfangen?
Ich würde darum bitten, dass man den Schulen einen
fünfprozentigen Lehrerstunden-Zuschlag gewährt. An einer Schule mit 1.000
Schülern wären das etwa 70 zusätzliche Stunden, die ich sofort in zusätzliche
Angebote stecken würde, etwa Deutsch-Unterricht für Migrantenkinder,
Mathe-Nachhilfe oder individuelle Förderung für
Spitzenschüler.
Die Fragen stellte
Susanne Kalitz
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