DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) -
PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 7. März 2008
Deutscher Lehrerverband zum "Turbo-Abitur"
"Der neue G8-Beschluss ist eine Mogelpackung"
- "Warnung vor exemplarischer Halbbildung"
- Schüler
verlieren gegenüber dem G9 in der ersten Fremdsprache bis zu 300,
in Mathematik und Deutsch je bis zu 200 Stunden Unterricht
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef
Kraus, hat die jüngste Beschlusslage der Kultusministerkonferenz zum
achtjährigen Gymnasium (G8) wie folgt kommentiert:
„Dieses neue Konzept ist eine
Mogelpackung. Die Flexibilisierungsregel, derzufolge die einzelnen Länder
unter den Titeln Wahlunterricht, Projektarbeit und Vertiefungseinheiten vom
bisherigen Stundenminimum von 265 Wochenstunden abweichen können, wird einer
landesspezifisch willkürlichen Auslegung Tür und Tor öffnen. Auch die
Bestimmung, dass 260 Stunden fachlich zugeordnet sein müssten, wird nicht
überall eingehalten werden.“
„Es muss Schluss sein mit der Debatte um Entrümpelungen“
Der Deutsche Lehrerverband fordert alle Beteiligten auf,
endlich Schluss zu machen mit der Debatte um die vermeintlich notwendige
Entrümpelung von Lehrplänen und um exemplarisches Lernen. Josef Kraus dazu
wörtlich:
„Das Gymnasium als das
bislang hoch anerkannte Flaggschiff des deutschen Bildungswesens ist auf dem
Weg zu exemplarischer Halbbildung. Unter dem Strich verloren G8-Schüler in
mehreren deutschen Ländern gegenüber ihren früheren G9-Kollegen bereits in der
ersten Fremdsprache bis zu 300, in Mathematik und Deutsch je bis zu 200 Stunden
realen Unterrichts. Dem entsprechend wurde etwa der fremdsprachliche Wortschatz
um bis zu einem Drittel reduziert; zudem ist das literarische, historische,
politische und geographische Wissen mancher Schüler allenfalls rudimentär. Vor
diesem Hintergrund muss Schluss sein mit der unsinnigen Debatte um eine sog.
Entrümpelung von Lehrplänen. Zugleich fordern nicht wenige G8-Befürworter
laufend neue Inhalte für die Schulen: Medienerziehung, Gesundheitserziehung, Konsumerziehung,
Umwelterziehung, Freizeiterziehung usw. All das passt nicht zusammen, und es
lässt sich auch mit sog. exemplarischem Lernen nicht auffangen. Was aus
exemplarischem Wissen wird, belegen manche Politiker selbst, wenn sie sich etwa
auf nur exemplarische Details der G8-Debatte kaprizieren, statt endlich ein
überzeugendes und ganzheitliches Konzept vorzulegen.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Dörthe Friedrich-Heinrich (DL)
| Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher
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