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Kolumne aus dem "Handelsblatt" vom 19. September 2008
Föderalismus fördert Wettbewerb
Von Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
Es ist erstaunlich, welch schlechtes
Gedächtnis Politik hat. Immerhin ist es erst zwei Jahre her, dass die
Föderalismusreform über die Bühne ging und mit dem 1. September 2006 eine
entsprechende Änderung des Grundgesetzes in Kraft trat. Mit dieser
umfangreichsten Novellierung des Grundgesetzes seit 1949 wurde vor allem der
Bildungsföderalismus weiter gestärkt. Mehr noch: Der Bund hat in Sachen Bildung
nahezu nichts mehr zu sagen. Die Bundeskompetenz betrifft jetzt nur noch - und
das eingeschränkt - Fragen des Hochschulzugangs und der Hochschulabschlüsse. Im
Schulbereich ist der Bund völlig außen vor, auch einen Geldregen des Bundes, wie
er mit vier Milliarden Euro von 2003 bis 2007 zur Förderung von Ganztagsschulen
auf die Länder herunterprasselte, ist nicht mehr
möglich.
Gleichwohl vergeht kaum eine Woche,
in der nicht Politiker oder andere sogenannte Experten nach mehr Zentralisierung
der Schulpolitik rufen. Ja, die Kanzlerin persönlich macht sich auf den Weg zu
einer Reise, um zwölf Bildungseinrichtungen einen Besuch
abzustatten.
All dies geschieht im luftleeren
Raum. Eine Änderung des Grundgesetzes in Bildungsfragen zugunsten des Bundes
wird es in absehbarer Zeit nämlich nicht geben. Das ist gut so. Denn – diese
retrospektive Prognose sei erlaubt – hätte der Bund etwa mit dem
Regierungswechsel 1969 die Bildungskompetenz gehabt, dann stünde Deutschland
heute schlechter da, als von Pisa attestiert. Dann hätten wohl alle damals elf
und später 16 deutschen Länder ein einheitliches Schulwesen verpasst bekommen
und am Ende Ergebnisse vorzuweisen wie die Schlusslichter Bremen und Berlin. So
aber hat der Bildungsföderalismus wenigstens ein Minimum an Wettbewerb
garantiert. Dass die süddeutschen Länder in Leistungsstudien gut, so manch
andere schlecht abschneiden, ist immerhin ein konstruktiver Stachel. Was noch
fehlt, das ist eine Kultusministerkonferenz, die endlich vom
Einstimmigkeitsprinzip befreit wird und dann aufhören kann, sich am langsamsten
der 16 deutschen Länder zu orientieren.
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