DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 5. August 2003
Lehrerverband zur Forderung nach Verkürzung der Sommerferien:
"Schüler brauchen sechs Wochen, um kreativ durchhängen zu können"
Zur Forderung des Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag, Günther
Oettinger, nach Verkürzung der Sommerferien auf vier Wochen und nach Einrichtung
von Betreuungsangeboten der Schulen während der großen Ferien stellte der
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL) fest:
„Schüler brauchen einmal im Jahr eine längere Phase, in der sie völlig von
der Schule abschalten können; sie müssen die Möglichkeit haben, sich dann
so richtig durchhängen zu lassen, um mit neuem Elan in das neue Schuljahr
zu starten. Den Kindern während der Ferien gar noch schulische Angebote überstülpen
zu wollen, ist pädagogisch Nonsense, ganz zu schweigen davon, dass die Schulen
nicht über das dafür notwendige Personal und die dafür notwendigen Räumlichkeiten
verfügen.
Die meisten der anderen europäischen Länder haben ansonsten sogar noch längere
Sommerferien, darunter auch Länder wie der PISA-Sieger Finnland.
Kinder und Jugendliche sollten die Ferien im Übrigen dazu nutzen, um etwas
gegen zwei gravierende und um sich greifende Defizite zu tun: gegen ihre
Bewegungsarmut und gegen ihre Lesearmut. Sport zu treiben und zu lesen, das
wäre eine hervorragende Feriengestaltung, die indirekt auch der Schullaufbahn
zugute kommt.
Der Vorschlag Oettingers ist zudem touristisch Quatsch. Das Chaos auf den
deutschen Autobahnen und Flughäfen würde durch eine Verdichtung der Ferien
noch größer, und die Preise für Ferienreisen würden vor allem zulasten der
Familien mit geringeren und mittleren Einkommen steigen.
Herr Oettinger ist ansonsten bekannt als ein erfindungsreicher Sommerlochfüller.
Vor nicht allzu langer Zeit meinte er, den Schülern Schuluniformen verpassen
zu müssen. Wenn solche Leute sich jetzt als Schulexperten gerieren, ist es
nicht verwunderlich, dass Deutschlands Schulen bei internationalen Leistungsvergleichen
nur mittelmäßig abschneiden.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
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