DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Interview aus "Thüringer Allgemeine" vom 23. Februar 2009

"Ein Faschingsscherz"


Josef KRAUS, bayerischer Oberstudiendirektor und Bildungskritiker, fordert, den Ruf des Lehrerberufs zu retten.

Ingenieure als Physiklehrer - was halten Sie davon?

Diese Idee von Bildungsministerin Schavan kommt mir vor wie ein Faschingsscherz. Das löst unser Problem nicht. Es geht um Hunderttausende Stunden, die gerade in den Naturwissenschaften und Mathematik fehlen. Da ist ein Ingenieur, der ein paar Stunden aushilft, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Das Problem liegt also tiefer?

Ja. Alle Kultusminister - und da zählt auch Frau Schavan als ehemalige Kultusminister in Baden-Württemberg dazu - haben im letzten Jahrzehnt eine völlig unzureichende Personalplanung gemacht. Jetzt will die Bundesministerin von diesem Versagen der Politiker ablenken.

Aber die Idee, Quereinsteiger einzustellen, ist ja nicht neu.

Nein, das nicht. An meiner Schule in Bayern unterrichten seit zwei Jahren Ingenieure - aber das macht gerade mal zwei Prozent des gesamten Unterrichts aus. Da sind wir vor Ort schon längst kreativer, als es Frau Schavan aus ihrer Raumfahrtsperspektive jemals sein wird. Bevor der Unterricht ausfällt oder die Klassengröße ins Unermessliche steigt, müssen wir uns eben mit diesem Mittelweg zufriedengeben.

Auf Dauer?

Nein, hoffentlich nicht. Es kann nicht jeder von jetzt auf gleich Lehrer sein. Dann wäre das ganze Studium ja hinfällig. Die Pädagogik darf nicht zu kurz kommen -und das tut sie, wenn Ingenieure Mathematikunterricht geben.

Das heißt, Quereinsteiger sind gar nicht erwünscht?

Doch, aber nur mit entsprechender Zusatzqualifikation.

Was ist jetzt zu tun?


Es würde schon reichen, wenn die Politiker endlich mal ihre Klappe halten und den Lehrerberuf nicht ständig so in den Dreck ziehen würden. Da wurde unglaublich viel schlecht geredet. Und wir müssen den Beruf wieder attraktiver für Abiturienten und Studenten machen. Auch in finanzieller Hinsicht. Wir haben ein Nachwuchsproblem, das steht außer Frage.


Gespräch: Steffi DOBMEIER


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