30.
September 2010
Lehrerverband zum 20. Jahrestag
der deutschen Einheit:
"Die
Schulpolitik muss das Fach Geschichte endlich stärken!"
- "Es
hat sich ein historischer
Analphabetismus breitgemacht."
Zum
20. Jahrestag der deutschen Einheit
erinnert der Deutsche Lehrerverband (DL) an die Bedeutung der
historischen
Grundbildung. Hier, so Verbandspräsident Josef Kraus, gebe es bei aller
Freude
über den 3. Oktober 1990 keinen Grund zur Zufriedenheit.
Wörtlich
sagte Kraus:
"Politische
Mündigkeit hat mit
geschichtlichem Wissen zu tun. Wer mündige Bürger möchte, der muss
ihnen also
eine Menge historischen Wissens beibringen und abverlangen. Damit aber
ist es
nicht weit her in Deutschland. Bei Alt wie Jung hat sich schier ein
historischer
Analphabetismus breitgemacht.
Dieser Analphabetismus wird sich zukünftig
noch verschärfen, denn derzeit grassiert die Vokabel von der angeblich
notwendigen Entrümpelung der Lehrpläne. Geradezu skandalös zu kurz
kommt
zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung die Behandlung des Themas DDR
im
Geschichtsunterricht.
Das
Ergebnis ist in der Folge erschreckend: Laut einer Studie des
„Forschungsverbundes SED-Staat“ der Freien Universität Berlin von 2008
(Titel:
„Soziales Paradies oder Stasi-Staat? Das DDR-Bild von Schülern – ein
Ost-West-Vergleich“) ist das Wissen deutscher Schüler um die Zustände
in der
DDR höchst defizitär:
-
Mehr als die
Hälfte der Schüler kennt das
Jahr des Mauerbaus nicht.
-
Nur jeder Dritte
weiß, dass die DDR die Mauer
gebaut hat.
-
Ebenfalls jeder
dritte Schüler hält Konrad
Adenauer und Willy Brandt für DDR-Politiker, und Honecker sei angeblich demokratisch legitimiert
gewesen.
-
Schüler aus
Ost-Berlin sehen die DDR mit
einem Anteil von 48 Prozent nicht als eine Diktatur.
-
Nur 27,1 Prozent
der west- und 17,2 Prozent
der ostdeutschen Schüler haben Kenntnis von der Todesstrafe in der DDR.
-
Den Rentnern sei
es in der DDR besser als in
der Bundesrepublik gegangen, und die Umwelt sei in der DDR sauberer gewesen als
in der
Bundesrepublik.
Solche
Ergebnisse können vor dem Hintergrund
der schulpolitisch gewollten Vernachlässigung des Faches Geschichte
nicht
überraschen. Es wird deshalb höchste Zeit, dass die Kultusminister das
Fach
Geschichte stärken, es als eigenständiges Fach erhalten und für jede
Schulform
ein Kerncurriculum historischen Wissens verbindlich machen.“
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Für
den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)