DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL


BILD-Hamburg vom 2. April 2008

DL-Präsident Kraus zu den Koalititionsverhandlungen in Hamburg

Lehrer bangen weiter ums Gymnasium


Das Interview führte Olaf Schiel

Er ist der schärfste Kritiker der schwarz-grünen "Mini-Einheitsschule"!

Im BILD-Interview warnt Josef Kraus, Chef des Deutschen Lehrerverbandes (160 000 Mitglieder):
Die geplante Verlängerung der Grundschule wäre der Anfang vom Ende des Gymnasiums.


BILD: Was bedeuten die Pläne für das Gymnasium?

Josef Kraus: „Vom Gymnasium, wie wir es kennen, bliebe nur das Türschild. Das Niveau wäre deutlich niedriger, weil die verlängerte Grundschulzeit leistungsstarke Kinder ausbremst. Aber auch schwächere Schüler täten sich schwer. Differenzierte Förderung und Einheitsschule – das geht einfach nicht zusammen.“

BILD: Viele Bildungsexperten sind aber für ein längeres gemeinsames Lernen.

Kraus: „Die Pisa-Ergebnisse von Berlin und Bremen beweisen das Gegenteil. Trotz längerer Grundschulzeit schnitten beide Länder teilweise noch schlechter ab als Hamburg. Es ist schon ein Witz, dass sich Ole von Beust in der Schulpolitik ausgerechnet an diesen Pisa-Verlierern orientieren will.“

BILD: Brauchen wir denn nicht mehr Abiturienten?


Kraus: „Entscheidend ist nicht die Quantität, sondern die Qualität. Bayern und Baden-Württemberg haben die wenigsten Abiturienten und die besten Wirtschaftsdaten. Das ist kein Zufall. So haben wir in Deutschland sehr hochwertige Berufsabschlüsse, die im Ausland zum Teil einem Uni-Diplom entsprechen.“

BILD: Hat sich von Beust von den Grünen über den Tisch ziehen lassen?

Kraus: „Zumindest ist er bereit, Hamburgs Schüler für seine Wunschkoalition zu Versuchskaninchen zu machen. Dabei hatte er vor der Wahl vor der grünen Einheitsschule gewarnt. Das ist glatter Wahlbetrug.“


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