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(DL) - AKTUELL |
DeutschlandRadio
vom 23. November 2004
Lehrerverband macht Gesamtschulen
für schlechtes Abschneiden bei PISA verantwortlich
Interview mit Josef K r a u s , Präsident
des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
Der Präsident
des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, sieht im System der Gesamtschulen
den Hauptgrund für das schlechte Abschneiden deutscher Schüler
bei der neuen PISA-Leistungsstudie.
Das dreigliedrige Schulsystem sei dagegen nicht gescheitert,
erklärte er im DeutschlandRadio Berlin. Er verwies auf die erste PISA-Studie,
in der die süddeutschen Bundesländer im nationalen Vergleich mit
dieser Schulform erheblich besser abgeschnitten hätten. Die beiden süddeutschen
Länder seien die einzigen, die mit dem erfolgreichen Skandinavien mithalten
könnten.
Kraus sagte wörtlich: "Wir haben gar keine Probleme natürlich
mit den Gymnasiasten, wir haben keine Probleme mit den Realschülern,
wir haben sicherlich Probleme mit der Klientel der Gesamtschule, der Hauptschule
und der Sonderschule." Er verwies Berichte über erfolgreiche Gesamtschulen
ins Reich der "Märchen und Legenden". Kraus betonte, es gebe in den
vergangenen 25 Jahren ausreichend Atteste dafür, dass Gesamtschulen
versagt hätten.
Zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit deutscher Schüler forderte
Kraus eine Betreuung nach finnischem Vorbild. Dort gebe es einen höheren
finanziellen und personellen Input. Die Problemklientel innerhalb einer
Klasse von etwa 20 Prozent müsse in Kleingruppen speziell gefördert
werden.
Kraus erklärte aber auch, dass mehr finanzielle Unterstützung
allein nicht ausreiche. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands
sagte dazu: "Wenn es nur ums Geld ginge, dann müsste innerhalb Deutschlands
Bremen am besten abschneiden, weil die am meisten Geld ausgeben für
den einzelnen Schüler." Bremen aber habe im innerdeutschen Vergleich
am schlechtesten abgeschnitten. Kraus forderte, dass Bildung und Schule
in Deutschland ein höherer, ideeller Stellenwert beigemessen werden
müsse.
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