DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 19. Mai 2003
Lehrerverband empört über "dümmliche Stammtischparolen" von DIHK-Präsident Braun über Lehrer:
"Die Wirtschaft soll erst ihre eigenen Aufgaben erledigen!"
- "Es ist ein Skandal, dass nur ein Drittel der Betriebe Lehrlinge ausbildet!"
Mit Empörung
hat der Deutsche Lehrerverband (DL) auf Äußerungen des Präsidenten
des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Braun, reagiert.
Braun hatte den Lehrern vorgehalten, dass sie 75 Urlaubstage hätten
und sich zu wenig weiterbildeten.
Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), stellte dazu fest:
„Herr Braun mit seinen
dümmlichen Stammtischparolen weiß nicht, wovon er spricht. Sonst
hätte er längst zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Jahresarbeitszeit
eines Industriearbeiters in Deutschland 1.600 Stunden und die eines Lehrers
1.800 bis 2.000 Stunden beträgt. Brauns simple Rechnung, dass Lehrer
75 Tage Urlaub hätten, zeigt, dass Braun keine Ahnung von Schule hat.
Sonst müsste er zudem wissen, dass ein erheblicher Teil der Ferien der
Lehrer der Korrektur von Prüfungen und der Fortbildung dient. Ein Deutsch-
und Englischlehrer beispielsweise korrigiert im Jahr allein eintausend Stunden.
Ehe sich Herr Braun
in schulische Belange einmischt, sollte er dafür sorgen, dass die Wirtschaft
ihre eigenen Aufgaben erledigt und genügend Ausbildungsplätze herbringt.
Es ist ein Skandal, wenn derzeit nur ein Drittel aller Betriebe überhaupt
ausbildet und wenn für das beginnende Lehrjahr bundesweit noch 140.000
Ausbildungsplätze fehlen.
Leute wie Herr Braun
sind schuld daran, dass die Schule in Deutschland – wie in PISA bestätigt
– in schlechtem Ansehen steht und deshalb von vielen jungen Leuten nicht
mehr ernst genommen wird. Jetzt leistet Herr Braun zudem einen Beitrag, dass
so manche Wirtschaftskapitäne nicht mehr ernst genommen werden.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
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