DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Interview aus dem MÜNCHNER MERKUR vom 27. August 2008

Die Studie ist ein Zahlensalat

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kritisiert den "Bildungsmonitor"


Der Deutsche Lehrerverband ist der Dachverband für 160 000 Pädagogen an Gymnasien, Realschulen, beruflichen Schulen und Wirtschaftsschulen. Der Präsident, Josef Kraus, kommt aus Landshut und ist Leiter eines Gymnasiums.


Herr Kraus, was halten Sie von dem „Bildungsmonitor“, der seit 2004 jedes Jahr erscheint?
Das ist ein Zahlensalat, der schon fast in Zahlenfetischismus ausartet. Die Studie erfasst viele Bereiche von Bildung nicht – den Unterricht in musischen Fächern oder die Fremdsprachenkompetenz zum Beispiel. Außerdem arbeitet die Studie teilweise mit Zahlen, die fünf Jahre alt sind. Das ist unseriös.

Zu großen Teilen sind die Zahlen schon aus dem Erfassungszeitraum 2006. Und diese Zahlen verdammen Bayern erneut auf den vierten Platz. Hinter Sachsen...
Man kann doch Bayern und Baden-Württemberg nicht mit Sachsen und Thüringen vergleichen – die haben doch ganz andere Voraussetzungen. Ein Beispiel ist der geringere Anteil der Migrantenkinder in den sächsischen Klassen. Genauso wenig bringt der Vergleich Flächenstaat – Stadtstaat wie zum Beispiel Hamburg.

Sie kritisieren auch die Auswahl der Untersuchungsfelder.
Ja. Eine geringe Durchfallquote etwa ist kein Qualitätsmerkmal. Im Gegenteil: Das kann auch für ein niedrigeres Niveau sprechen.

Was würden Sie untersuchen? Was belegt denn Bildungsqualität?
Man müsste unbedingt auch den Faktor Lehrer untersuchen, etwa den Ersatzbedarf, den Lehrermangel, die Anzahl der Lehramtsstudienplätze oder der Referendarsplätze. Auch die Gesamtstundenzahl pro Bildungsgang ist ein entscheidender Faktor: Es besteht nämlich ein enger Zusammenhang zwischen Stundendichte und Pisa-Rang.

Ist Pisa die bessere Studie?
Pisa ist immerhin ein Leistungstest, auch wenn er nur einen kleinen Ausschnitt betrachtet.

Also fehlt uns eine umfassendere Studie, die noch mehr Kriterien miteinander vergleicht?
Das wäre ein riesiger Aufwand. Außerdem müssen wir aufpassen, dass wir uns in Deutschland nicht zu Tode messen. Vom Wiegen wird die Sau nicht fett.

Interview: Carina Lechner


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