DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Aus "BILD" vom 10. August 2004


Müssen Schüler wirklich leiden, Herr Lehrer-Präsident?

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, erklärt, welche Folgen die Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung für die Schüler haben wird.

  • Ist es für Lehrer und Schüler zumutbar, wieder in der bewährten Rechtschreibung zu schreiben?

Durchaus. Von den 700 Wörtern Grundwortschatz, den Viertklässler schriftlich beherrschen müssen, brauchen sie gerade einmal 20 Wörter neu zu lernen.

Außerdem: Die Reformbefürworter hatten immer argumentiert, es werde kein Chaos bei der Umstellung auf die neue Schreibweise geben. Warum sollte es also nennenswerte Probleme bei einer Rückkehr zur klassischen Schreibweise geben? Ein viel größeres Chaos gibt es, wenn wir weiter eine Orthographie lehren, die außerhalb der Schule immer weniger praktiziert wird.

  • Was ist mit den Umstellungskosten von angeblich 250 Mio. Euro?

Ich sehe das Problem nicht, das von einzelnen Schulbuchverlagen aufgebauscht wird. Die Bücher in Kernfächern wie Deutsch sind sowieso nach fünf bis sechs Jahren zerfleddert und müssen ausgetauscht werden. Außerdem müssen sie aufgrund neuer Lehrpläne aktualisiert werden. Es kommen keine gigantischen Kosten auf Eltern und Kommunen zu. Es sollte aber eine Übergangsfrist bis 2010 geben. Viele Schulen verwenden auch jetzt noch in Fächern wie Erdkunde oder Biologie Bücher mit alter Rechtschreibung.

  • Müssten die Schüler schlechte Noten bei einer Umstellung auf die bewährten Regeln befürchten?

Nein. Kein Kind wird einen Nachteil haben, kein Schüler deshalb sitzen bleiben. Die Lehrer werden voraussichtlich auch über 2005 hinaus nur Fehler anstreichen, die in beiden Schreibweisen falsch sind.


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