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DL-Präsident in der Bild-Zeitung vom 24. Juni zur aktuellen Bildungsstudie
GEFÄLLE BEI BUNDESWEITER BILDUNGSSTUDIE
Was der Norden vom Süden lernen kann
In der Ländervergleichsstudie des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung
im Bildungswesen (IQB), die die Kultusminister heute vorstellten, belegten
Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen die vorderen Plätze.
Schlusslichter: Hamburg, Bremen und Berlin.
ABER WORAN LIEGT'S?
Vier Faktoren macht Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, für
das Gefälle verantwortlich:
• MEHR UNTERRICHT: In den „Siegerländern“ sei die
Unterrichtsdichte wesentlich höher als in den „Verliererländern“, sagt Josef
Kraus. Die Schüler kommen in der Regel auf mehr Unterrichtsstunden, weniger
Ausfälle. Pro Woche mache das nur ein oder zwei Stunden aus, hochgerechnet auf
acht Schuljahre könnte das durchaus aber auch ein ganzes Schuljahr mehr oder
weniger bedeuten.
• VIEL INDIVIDUELLER: In Bayern oder Baden-Württemberg ist
das Schulsystem wesentlich differenzierter. Nach der 4. Klasse teilen sich die
Schüler in die verschiedenen Schulformen auf, in Berlin und Brandenburg hingegen
wird erst nach der 6. Klasse aufgeteilt.
• VERBINDLICHERE LEHRPLÄNE: Die Lehrpläne der „Siegerländer“
sind straffer und mit einer höheren Verbindlichkeit versehen. In anderen Ländern
geht es zu sehr nach Beliebigkeit.
• KONSEQUENTERE ABSCHLUSSPRÜFUNGEN: Die Länder, die in der
Bildungsstudie die Nase vorn haben, führen konsequentere und strengere
Abschlussprüfungen durch, sagt Bildungs-Experte Kraus. Zentrale
Abschlussprüfungen sind dringend notwendig, nicht nur in Sachen Abitur.
Neben dem Gefälle zwischen Süd- und Nordländern gibt die Studie auch
Aufschluss über Unterschiede zwischen Arm und Reich, Mädchen und Jungen. Die
wichtigsten Erkenntnisse:
• Zuwandererkinder liegen im Fach Deutsch im Durchschnitt zwei Schuljahre
hinter einem deutschen Kind.
• Die neuen Bundesländer gewährleisten in Sachen sozialer Herkunft größere
Chancengleichheit als die alten. Ein Kind in Bayern, das mindestens mit einem
Elternteil aus der oberen Dienstklasse aufgewachsen ist, hat eine sechsmal
höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als ein Kind aus bildungsfernen
Schichten.
• Mädchen sind besser in der Schule als Jungen. „Mädchen sind vor allem unter
Abiturienten stärker repräsentiert“, sagt Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus.
„Sie lernen zielstrebiger und sind vor allem in der Pubertät weniger Opfer ihrer
Biochemie als Jungen.“
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