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Aus "Passauer Neue Presse" vom 24. Juni 2010
Interview mit DL-Präsident Josef Kraus zur Bildungsstudie
"An Testsiegern orientieren!"
Wie aussagekräftig ist die neue Studie zur
Sprachkompetenz?
Kraus: Die neue Studie ist stärker auf die
deutschen Lehrpläne und Bildungsstandards bezogen als die PISA-Studien. Sie ist
näher an der Schulpraxis. Ich bedauere dennoch, dass man PISA gewissermaßen
abgewickelt hat. Denn damit war gleichzeitig ein internationaler und ein
innerdeutscher Vergleich möglich. Man konnte sehen, dass Länder wie Bayern nahe
an vorbildliche Staaten wie Finnland heranreichen. Andere Bundesländer wie
Bremen - zugespitzt gesagt - liegen eher auf dem Niveau von Brasilien oder
Mexiko. Trotz mancher Anstrengungen der Kultusministerkonferenz hat sich in den
vergangenen zehn Jahren nicht viel geändert. Man sollte sich endlich an dem
orientieren, was die innerdeutschen Testsieger tun.
Was ist das
Erfolgsgeheimnis der Testsieger?
Kraus: Eine höhere
Unterrichtsdichte hilft sehr. Schüler im Süden haben mehr Unterrichtsstunden als
anderswo. Innerhalb der ersten acht Schuljahre kommen leicht 300 oder 400
Unterrichtsstunden mehr zusammen. Wir sollten den Lehrerbestand auf 110 Prozent
aufstocken. Dann kann Stundenausfall immer ausgeglichen werden. Und in der Zeit,
in der alle Lehrer an Bord sind, kann es Förderkurse geben. Zu den
Erfolgsgeheimnissen gehören auch Lehrpläne mit einem hohen
Verbindlichkeitsgrad.
Welche Rolle spielen Migration und soziale
Herkunft?
Kraus: Zuwanderungsländer wie Kanada, Amerika oder
Schweden gehen sehr selektiv bei der Auswahl vor. Wir haben eine völlig andere
Migrantenklientel. Sie kommt häufiger aus bildungsfernen Schichten. Die größten
Schulprobleme zeigen sich bei Zuwanderern aus arabischem und türkischem Raum
sowie vom Balkan. Aber mit 14, 15 Jahren ist die Bildungsbiografie nicht
abgeschlossen. Es gibt eine hohe Durchlässigkeit nach oben im Bildungssystem. In
Bayern haben von 100 Studienberechtigten 43 nie ein Gymnasium besucht.
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