DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) -
PRESSEERKLÄRUNG
Lehrerverband warnt vor populistischem Missbrauch der jüngsten Bildungsstudie
-
Kraus: „Es gibt keinen Grund für Neidhammeleien gegen die Siegerländer"
Der
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat vor einem
populistischen Missbrauch der jüngsten Bildungsstudie gewarnt. Vor allem wendet
sich Kraus gegen die Interpretation, die Studie habe bewiesen, dass der Besuch
eines Gymnasiums vom Geldbeutel der Eltern abhängig sei.
Wörtlich
sagte Kraus:
„Die
angebliche soziale Schieflage des Bildungswesens in Deutschland und zumal in
den Siegerländern ist ein statistisches Kunstprodukt. Es ist absolut einseitig,
den Zusammenhang zwischen Schulbesuch und sozialer Herkunft bei
Fünfzehnjährigen zu ermitteln. Denn damit wird die ausgeprägte vertikale und
damit auch soziale Durchlässigkeit des deutschen Bildungswesens überhaupt nicht
erfasst. Immerhin haben wir in Deutschland über 50 Wege zum Erwerb einer
Studierberechtigung. Außerdem erwerben – je nach Bundesland – zwischen 43 und
50 Prozent der Studierberechtigten ihre Studierberechtigung außerhalb des
Gymnasiums. Diese Art von Durchlässigkeit kommt aber in einer Studie, die
Neuntklässer testet, überhaupt nicht zum Tragen.
Wenn
der Zusammenhang zwischen Familienhintergrund und Gymnasialbesuch in einzelnen
deutschen Ländern weniger eng zu sein scheint, dann muss man auch sehen, dass
dies auf einem niedrigen Leistungsniveau geschieht.
Im
übrigen ist der Besuch eines Gymnasiums keineswegs vom Geldbeutel der Eltern,
sondern vom Leistungsvermögen und vom Leistungswillen der Kinder abhängig. Man
muss die Bildungschancen einfach nutzen wollen. Es gibt auch eine Holschuld bei
den Familien.
Ansonsten
hat diese Studie erneut bewiesen, dass Länder mit einheitlichen oder
teilintegrierten Schulsystemen schlecht abschneiden. Diese Länder hätten allen
Grund, sich nach der Decke zu strecken und die Siegerländer mit ihren höheren
Leistungsansprüchen zum Vorbild zu nehmen.
Die
Ergebnisse der Siegerländer schlechtzureden, wie manche Parteien und
Organisationen dies jetzt tun, ist mieser Stil. Immerhin schneiden in diesen
Ländern alle Schüler und damit alle sozialen Schichten besser ab. Für
Neidhammeleien gibt es keinen Anlass.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
| Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher
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