"Die Nähe zum Buch ist entscheidend für die Lesebereitschaft junger Leute"
" Wir haben in Deutschland keine schulische Bibliothekskultur"
Anlässlich der neuen OECD-Studie "Reading for Chance" hat der Deutsche
Lehrerverband (DL) Bund, Länder und Gemeinden zu einer Offensive für
die Schulbibliotheken aufgefordert. Diese aktuelle OECD-Studie belegt ebenso
wie die PISA-Studie, dass der Schulerfolg in hohem Maße von der Lesebereitschaft
der Schüler abhängt und dass deutsche Schüler im internationalen
Vergleich viel weniger lesen.
Verbandspräsident Josef Kraus, selbst Leiter eines Gymnasiums und
einer darin integrierten öffentlichen Kreis- und Stadtbibliothek, begründete
die Forderung seines Verbandes wie folgt:
"An den meisten Schulen in Deutschland gibt es keine Schulbibliothek,
die diesen Namen verdient. Deshalb hat Deutschland keine schulische Bibliothekskultur.
Spätestens die internationalen Lesestudien aber belegen, dass die Nähe
von Schülern zum Buch ein maßgeblicher Faktor bei der Förderung
der Lesebereitschaft ist. Das gilt zunächst für die Familien: Wenn
die Eltern zu Hause nicht für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen
sorgen, dann lesen die Kinder eben auch kaum. Und wenn die Schulen keine
attraktiven Bücherangebote in ansprechenden Räumen vorhalten, versagt
auch die Leseerziehung in den Schulen.
Nach den großen und erfolgreichen Anstrengungen von Bund, Ländern
und Gemeinden bei der Ausstattung der Schulen mit Computern und neuen Medien
sollten jetzt wieder die klassischen Printmedien dran sein. Dass sich solche
Investitionen lohnen, zeigen vor allem die skandinavischen Länder. Dort
sind die Schulbibliotheken erheblich besser ausgestattet als in Deutschland,
außerdem sind sie zumeist als kombinierte öffentliche und schulische
Bibliotheken in das Gemeindeleben integriert.
Eine in Deutschland vielfach übliche Schulbücherei mit einem Bestand
von wenigen tausend oder gar nur ein paar hundert Bänden auf einer Fläche
von hundert Quadratmetern ist nicht die Lösung. Eine Schulbibliothek
muss mit einem breiten Sortiment und mit Autorenlesungen Mädchen und
Jungen gleichermaßen locken können; außerdem muss eine solche
Einrichtung räumlich so attraktiv sein, dass sich junge Leute gerne
darin aufhalten: vor dem Unterricht, nach dem Unterricht, in der Pause, in
Freistunden und am Nachmittag.
Eine attraktive Schulbibliothek ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dafür
sind außer geeigneten Räumen entsprechende Mittel für Personal
und Anschaffung notwendig. Allerdings ist hier mit vergleichsweise geringen
Aufwendungen viel erreicht. Würde beispielsweise für Schulbibliotheken
der gleiche Betrag aufgewendet, wie er jetzt mit vier Milliarden Euro für
die Förderung schulischer Ganztagsbetreuung aufgebracht wird, dann wäre
der Effekt für die zukünftigen Testleistungen deutscher Schüler
gewiss eindeutig messbar."
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)