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DL-Dokumentation zur "Bildungsgerechtigkeit" erschienen
Das Thema „Bildungsgerechtigkeit“
spielt derzeit in der öffentlichen und in der wissenschaftlichen Debatte eine
große Rolle. Diese Debatte ist notwendig, sie wird freilich zum Teil recht
einseitig geführt.
Um die Komplexität des Themas
„Bildungsgerechtigkeit“ deutlich zu machen, hat der Deutsche Lehrerverband (DL)
im Jahr 2008 eine Fachtagung ausgerichtet. Insgesamt acht hochkarätige
Referenten haben „Bildungsgerechtigkeit“ dabei aus unterschiedlichen
Blickwinkeln betrachtet: aus philosophisch-sozialethischer,
anthropologisch-bagabungstheoretischer, verfassungsrechtlicher und empirischer
Sicht sowie aus der Sicht der Hochschulen und der beruflichen Bildung. Diese
acht Beiträge sind nunmehr zu einer 96 Seiten umfassenden Tagungsdokumentation
zusammengefasst.
Die Dokumentation wird abgerundet
mit einem Essay von DL-Präsident
Josef Kraus. Darin vertritt Kraus
u.a. folgende Thesen:
- In allen Ländern der Welt gibt es einen Zusammenhang
zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Dieser Zusammenhang ist in
Deutschland nicht mehr und nicht weniger ausgeprägt als im internationalen
Durchschnitt.
- Die Debatte um Bildungsgerechtigkeit wird vielfach
dafür instrumentalisiert, ein egalisierendes Bildungswesen zu etablieren. Nichts
aber ist so ungerecht wie die Gleichbehandlung Ungleicher. Egalitäre
Schulpolitik erzielt vermeintliche Gleichheit im übrigen nur durch Absenkung des
Anspruchsniveaus. Wer aber die Ansprüche senkt, der bindet gerade junge Menschen
aus schwierigen Milieus in ihren "restringierten Codes"
fest.
- Es geht nicht um Chancengleichheit, sondern um
Chancengerechtigkeit. Zudem sind Chancen eben Chancen, aber keine
Garantien.
- Eine Gesellschaft hat in der Bildung eine
Bringschuld, nämlich die Verantwortung, ein möglichst differenziertes und
anspruchsvolles Bildungswesen vorzuhalten. Damit muss eine Holschuld der
Familien und der jungen Leute korrespondieren, nämlich dieses Angebot auch zu
nutzen.
- PISA ist als Indikator für Bildungsgerechtigkeit
völlig ungeeignet, denn Pisa untersucht Fünfzehnjährige, stellt für dieses Alter
je nach Sozialschicht den Gymnasiastenanteil fest, berücksichtigt aber nicht,
welchen Bildungsabschluss die PISA-Getesteten später tatsächlich machen. Fakt
jedoch ist: Fast 50 Prozent der Studienberechtigten kommen nicht aus dem
Gymnasium.
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Waltraud Fuchs, DL
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