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ddp-Nachricht vom 11. Februar 2006
"Inhaltliche Beliebigkeit"
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus,
warnt vor dem Hintergrund der aktuellen Islam-Debatte vor einer wachsenden
«inhaltlichen Beliebigkeit» in den Schulen. Kraus betonte in einem
ddp-Interview, mit konkretem Wissen könnten Vorurteile im Keim erstickt werden.
Es drohe aber in den Lehrplänen eine zunehmende Vernachlässigung des Fachs
Geschichte.
Kraus kritisierte, die Schulpolitik sei derzeit ein bisschen «besoffen» von
Begriffen wie «Schlüsselqualifikationen» und «Kernkompetenzen».
Es
müsse aber gerade im Bereich der politischen und historischen Bildung mehr ganz
konkretes Wissen vermittelt werden. Der Verbandspräsident fügte hinzu: «Je mehr
ich konkret weiß, desto weniger muss ich mir von irgendwelchen Demagogen etwas
vormachen lassen.»
Kraus forderte zugleich von der Politik und dem Bildungswesen mehr Einsatz
für einen «europäischen Patriotismus». Es müsse hierbei darum gehen, das
Identität und Orientierung Stiftende in Europa zu vermitteln. Dazu gehörten vor
allem Ideen wie die der Menschenwürde, der Freiheit, des Rechtsstaates und der
Solidarität.
Kraus begrüßte die Forderung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)
nach einer Debatte über die Frage der Leitkultur. Auch in den Schulen sollte
stärker zum Tragen kommen, «was der europäische Wertekosmos ist». Kraus fügte
hinzu: «Einen deutschen Wertekosmos in dem Sinne gibt es nicht. Unsere Werte
sind kaum anders als die bei den Spaniern, Franzosen, Italienern oder Briten.»
Der Streit über die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen wird nach den
Worten von Kraus auch im Schulunterricht behandelt. Konkrete Vorgaben gebe es
dabei zwar nicht. Aber für jedes schulische Handeln sei «das Grundgesetz der
Maßstab - und daraus kann man die Erziehung sowohl zur Gewaltfreiheit als auch
zur Toleranz ableiten».
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