Müssen
Lehrer Beamte sein, fragt der Ministerpräsident, der seinen
Staatshaushalt entschlacken will. Ja, antwortet Josef Kraus, Präsident
des Deutschen Lehrerverbandes. Im Interview mit BR-online erklärt er,
warum alles andere Nachteile bringt - vor allem für den Staat selbst.
Von
Veronika Beer
BR-online:
Herr Kraus, seien wir ehrlich: Gut 100.000 Lehrer in Bayern belasten
den Staatshaushalt massiv. Um die 80.000 Euro kostet ein
Gymnasiallehrer im Jahr. Ist es da nicht legitim, dass
Ministerpräsident Horst Seehofer genau hier ansetzen will mit seinen
Sparplänen?
Josef Kraus:
Aber Bildung ist halt nicht zum Minitarif zu haben, sondern nur mit
qualifizierten und motivierten Lehrern. Im Übrigen haben Lehrer viele
zusätzliche Belastungen wie G8-Einführung oder den doppelten
Abitur-Jahrgang in Kauf nehmen müssen, ebenso zahlreiche
Verschlechterungen wie die höhere Lehrverpflichtung. Wenn die Besoldung
der Lehrer so üppig wäre, wie manche glauben machen wollen, dann frage
ich mich, warum gerade in Fächern wie Mathematik, Naturwissenschaften,
berufsbildenden Fächern wie E-Technik oder kaufmännischen Fächern die
Bewerber ausbleiben. Junge Leute mit Schwerpunkt in diesen Fächern
finden außerhalb der Schule weitaus lukrativere Angebote.
BR-online: Wie
kann man sich die Situation eines Berufseinsteigers heute vorstellen -
sagen wir: 30 Jahre alt, Gymnasiallehrer. Wie sieht sein Arbeitspensum
aus, wie sein Gehalt?
Josef Kraus:
Ein Gymnasiallehrer mit den Fächern Deutsch und Englisch unterrichtet
in einem Schuljahr rund 1.000 Stunden. Er korrigiert darüber hinaus in
dieser Zeit ungefähr 1.000 Stunden, weil er im Schnitt drei Deutsch-
und drei Englisch-Klassen hat. Als Referendar hat er sich mit monatlich
maximal 1.000 Euro begnügen müssen. Als Studienrat kommt er brutto auf
2.800 bis 3.000 Euro monatlich. Die Lohnzuwächse in den letzten Jahren
waren im gesamten öffentlichen Dienst gering. Es ist zu befürchten,
dass es so weitergeht.
BR-online: Aber weshalb muss ein Lehrer in Ihren Augen denn
so dringend Beamter sein?
Josef Kraus: Der Beamtenstatus der Lehrer garantiert das
Bildungsrecht der Schüler, denn er geht einher mit einem Streikverbot. Damit
wird verhindert, dass durch streikende Lehrer - wie dies in vielen Ländern der
Welt der Fall ist - regelmäßig wochenlang Unterricht ausfällt. Zudem greifen
Lehrer mit ihren schulrechtlichen Entscheidungen in Grundrechte ein, indem sie
etwa Schülern aufgrund schulischer Leistungen Abschlüsse zuerkennen oder
verweigern. Und der Beamtenstatus der Lehrer gewährleistet natürlich auch deren
politische und weltanschauliche Unabhängigkeit.
BR-online: Bleibt immer noch das Problem der hohen Kosten
für den Freistaat. Fast die Hälfte des Staatshaushalts wird für das Personal
ausgegeben.
Josef Kraus: Aber angestellte Lehrer sind nicht unbedingt
preiswerter. Im Gegenteil: Mehrere Studien der letzten beiden Jahrzehnte haben
nachgewiesen, dass verbeamtete Lehrer ihre Dienstherren weniger Geld kosten.
Denn in dem Moment, in dem Lehrer auf Angestelltenstatus umgestellt würden,
müsste der Staat auch noch den Arbeitgeberanteil zusätzlich zu den
Sozialversicherungen tragen.
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