DEUTSCHER
LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn,
29.02.2000
Lehrerverband
zum Anwerben von Computerspezialisten aus dem Ausland:
"Schröder
frustriert deutsche Jugendliche"
- „Bundesländer
müssen die Schulen in Sachen Computer besser ausstatten“
- „Maßnahme
ist kontraproduktiv auch aus der Sicht der Entwicklungshilfe“
Als „Schaufensterpolitik, die
nicht zu Ende gedacht ist,“ bezeichnete der Deutsche Lehrerverband (DL)
den Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Computerspezialisten
von außerhalb der EU nach Deutschland zu holen. Vor allem wirft der
Lehrerverband dem Bundeskanzler vor, eine solche Anwerbeaktion habe verheerende
Auswirkungen auf die Motivation der jungen Leute in Deutschland. Verbandspräsident
Josef Kraus sagte dazu: „Wir haben Zigtausende von versierten jungen Leuten,
die in Kürze ihre Berufsausbildung oder ihr Studium als Fachleute
in Sachen Informationstechnik abschließen werden und hungrig danach
sind, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse beruflich nutzen zu können.
Man muss befürchten, dass ein Import von IT-Spezialisten die Berufsperspektive
und den Berufswunsch gefährdet. Der Bundeskanzler mutet unseren Jugendlichen
damit einen gewaltigen Frust zu. Dieser Frust wird enden in einem Rückgang
der an einer IT-Ausbildung interessierten Jugendlichen.“
Des Weiteren fordert der
Lehrerverband die deutsche Wirtschaft auf, nicht nur über den Mangel
an IT-Kräften zu klagen, sondern die 40.000 im Medienbereich zugesagten
zusätzlichen Ausbildungsplätze zu verwirklichen.
Zugleich richtete Lehrerverbandschef
Kraus die dringende Forderung an die Bundesländer, die Schulen besser
mit entsprechend qualifizierten Lehrkräften sowie mit moderner Hard-
und Software auszustatten.
Abschließend kritisierte
Kraus den Import von IT-Fachkräften auch aus der Sicht der Entwicklungshilfepolitik
als „kontraproduktiv“. Wörtlich: „Die IT-Kräfte werden in den
betreffenden Ländern selbst gebraucht. Es wäre aberwitzig, wenn
deren Fehlen dort dann mit Mitteln der deutschen Entwicklungshilfe in Form
von Qualifizierungsmaßnahmen kompensiert werden müsste.“
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