Am 13.7. 2011 stellte die Unabhänigige Beauftragte, Dr.
Christine Bergmann, die beim Deutschen Jugendinstitut in Auftrag
gegebene Studie vor, die deutschlandweit erfasste, wie oft sich
Schulen, Internate und Heime in den letzten drei Jahren mit
Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch auseinandersetzen mussten.
Dabei konnte es sich um Fälle im familiären Umfeld handeln, im
Freundes- und Bekanntenkreis, oder um Fälle, bei denen ein Angestellter
der Institution im Verdacht stand. Die Forscher betonen die
Verantwortung der Pädagogen, Verhaltensweisen und Anzeichen für
Missbrauch bei Kindern zu erkennen und fordern die gezielte
Weiterbildung der Lehrkräfte.
"Wie immer, wenn ein gesellschaftliches Problem virulent wird, ertönt
der Ruf nach der Schule", sagte Josef Kraus, Präsident des Deutschen
Lehrerverbandes, der Zeitung "Die Welt". "Dabei ist es völlig utopisch
zu glauben, dass es etwas nützt, wenn man jetzt 800 000 Lehrer durch
solch eine Fortbildung schleust. Ein zusätzliches Seminar im ohnehin
dichten Ausbildungsplan kann keine Lösung sein. Stattdessen muss die
Anzahl der Schulpsychologen endlich erhöht werden, die für die
Missbrauchsproblematik ohnehin den besseren Blick hat."
Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen
Philologenverbandes, pflichtete ihm bei. Gleichzeitig forderte er eine
neue pädagogische Kultur an den Schulen. "Um mögliche Probleme früh zu
erkennen, muss es mehr Austausch unter den Lehrern geben", sagte
Meidinger der "Welt". So sollten etwa auf Klassenkonferenzen nicht nur
die Noten der einzelnen Schüler, sondern auch Verhaltensauffälligkeiten
besprochen werden. Generell seien Lehrer heute stärker pädagogisch
gefordert. Sie allein könnten mit dem Thema Missbrauch aber nicht
fertig werden, kritisierte er.
Quelle:
Die Welt, 15.07.2011