Lehrerverband
zum UNESCO-Welttag des Buches
am
23. April: "Deutschland braucht eine Offensive für
Schulbibliotheken"
"Den Nutzen haben die
jungen Leute in allen Schulfächern und Lebensbereichen."
Zum UNESCO-Welttag des
Buches am 23. April fordert der Deutsche Lehrerverband (DL) mehr und
besser
ausgestattete Schulbibliotheken. DL-Präsident Josef Kraus, selbst
Leiter eines
Gymnasiums und einer darin integrierten öffentlichen Kreis- und
Stadtbibliothek,
weist darauf hin, dass es in Deutschland keine überzeugende schulische
Bibliothekskultur gebe. Im Einzelnen sagte Kraus:
„Viele
Schüler haben im
Elternhaus wenig bis gar keinen Kontakt zu Büchern, Zeitschriften und
Zeitungen.
Doch gerade die internationalen Schulleistungsstudien belegen, dass die
Nähe
zum gedruckten Wort ein wesentlicher Faktor bei der Lesefähigkeit und
Leselust
ist. Wenn diese Nähe nicht im Elternhaus gegeben ist, wenn die Eltern
ihre
Kinder nicht an Bücher und die Möglichkeiten von Bibliotheken
heranführen, dann
könnte wenigstens die Schule den Kindern einen Ort des Lesens bieten –
aber
nur, wenn den Schulen die entsprechenden finanziellen und
organisatorischen
Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Doch in Deutschland gibt es
wenige Schulbibliotheken, die diesen Namen verdienen. Oft handelt es
sich nur
um Lager von mehr oder weniger gut erhaltenen Klassensätzen älterer und
neuerer
Schulbücher. Schulbibliotheken als freies Angebot für Schülerinnen und
Schüler,
um ihre Lesewünsche jenseits von schulischen Inhalten zu erfüllen oder
um in
eigenen Interessensgebieten selbstständig weiterzuforschen, sind bisher
die
Ausnahme.
Im Zeitalter von Google und
Wikipedia liegt das Augenmerk allzu häufig auf der Ausstattung der
Schulen mit
Computer und neuen Medien. Doch die Ausstattung der Schulen mit
klassischen
Printmedien sollte darüber nicht vernachlässigt werden. Das Lesen eines
Buches
ist eine andere Erfahrung als das Überfliegen eines Textes am
Bildschirm, und
den Inhalt eines Buches wiederzugeben oder zu erörtern, ist zwar
anstrengender,
aber auch lohnenswerter, als mit Copy & Paste Textpassagen für eine
Arbeit
oder Präsentation zu übernehmen. Lesen beflügelt die Vorstellungskraft,
entführt in andere Welten – und doch erfährt und lernt der Leser
vieles, was
ihm im Alltag weiterhelfen kann.
Eine Schulbücherei sollte
mit einem breiten Sortiment sowohl an Belletristik als auch an
interessanten
Sachbüchern Kinder aller Altersstufen und Interessen locken können.
Autorenlesungen, Lesezirkel, Lesetagebücher, Lesepatenschaften – das
alles kann
dann zusätzlich die Lesefreude der Schülerinnen und Schüler wecken.
Wichtig
sind aber nicht nur die angebotenen Bücher, sondern auch
Räumlichkeiten, die
einen angenehmen Aufenthaltsort nach dem Unterricht oder in Freistunden
bieten.
Gerade in Zeiten des Ausbaus der Ganztagsschulen sollte eine gut
sortierte
Schulbibliothek eine Selbstverständlichkeit sein.
Doch eine Schulbibliothek
mit vielen Büchern und ausreichendem Personal ist nicht zum Nulltarif
zu haben.
Dass sich entsprechende Investitionen aber lohnen, zeigt ein Blick in
Länder,
in denen bereits eine etablierte Schulbibliothekskultur vorhanden ist –
zum
Beispiel in Südtirol. Ein gezieltes Förderprogramm für
Schulbibliotheken würde
sicherlich auch zu einem Ansteigen der Lesefreude und damit der
Lesekompetenz
der deutschen Schülerinnen und Schüler führen. Den Nutzen hätten die
jungen
Leute in allen Schulfächern und Lebensbereichen.“
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Für
den
Inhalt
verantwortlich: Karen Ullrich und Anne Schirrmacher (DL)
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