- "Nur ein leistungsorientiertes Bildungswesen ist ein gerechtes."
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Auf seiner Fachtagung "Wozu Bildungsökonomie?" wendet sich der DL gegen
einen "Imperialismus des Nützlichkeits- und Verwertungsdenkens" in der
Bildung
Josef Kraus
(61) ist soeben in Berlin zum neunten Mal für
drei Jahre zum Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes (DL) gewählt
worden.
Die Delegierten der vier DL-Mitgliedsverbände stellten sich ohne
Gegenstimme
geschlossen hinter ihn. Mit der Wahl von Kraus bestätigten die
Delegierten dessen
konsequenten Einsatz für ein leistungsorientiertes gegliedertes
Schulwesen und
für starke berufsbildende Schulen.
Kraus hat dieses Ehrenamt seit 1987 inne
und ist damit der
dienstälteste Vorsitzende einer Lehrerorganisation. Seinem Verband
gehören vier
Mitgliedsverbände mit insgesamt 160.000 Lehrern an, nämlich der
Deutsche
Philologenverband, der Verband Deutscher Realschullehrer, der
Bundesverband der
Lehrer an beruflichen Schulen und der Verband der Lehrer an
Wirtschaftsschulen. Hauptberuflich ist Kraus seit 1995
Oberstudiendirektor am
Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg im Landkreis Landshut.
Er hat
die Fächer Deutsch und Sport studiert und ist Diplom-Psychologe.
Nach 21 Jahren Tätigkeit in diesem Amt
verabschiedete der
Verband mit größtem Lob für seine Amtsführung seinen bisherigen
Schatzmeister,
Diplom-Handelslehrer Hans-Joachim Kluge. Ihm folgt Diplom-Handelslehrer
Dominik
Berdin (30) nach.
Unter dem Beifall der
Delegiertenversammlung hatte Kraus in
seinem politischen Bericht unter anderem erklärt: „Eine Nation, die
kulturell,
wirtschaftlich und politisch bestehen will, muss in Zeiten
fortschreitender,
global bedingter Pluralisierungen ein plurales, differenziertes
Bildungswesen
vorhalten. Der Bedarf an Pluralität und an unterschiedlichen Profilen
unterschiedlicher Bildungseinrichtungen ergibt sich aus der großen
Bandbreite
der Begabungen und Neigungen junger Menschen sowie aus der
Heterogenität der
Qualifikationsanforderungen und Lebensentwürfe. Ein wie auch immer
benanntes
einheitliches Schulwesen entspricht diesen Anforderun-gen nicht. Gewiss
muss
ein Bildungswesen auch gerecht sein. Gerecht ist es aber nur, wenn es
Chancen
zur eigenverantwortlichen Nutzung der Bildungsangebote und zur
individuellen
Leistungsentfaltung bietet. Der Anspruch an Bildungsgerechtigkeit darf
nicht
darin bestehen, dass Strukturen, Inhalte und Anforderungen egalisiert
werden.
Ein gerechtes Bildungswesen kann nur ein Bildungswesen sein, das am
Leistungsprinzip orientiert ist.“
Fachtagung
„Wozu Bildungsökonomie?“
Im Anschluss an die Delegiertenversammlung
hatte der DL
zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) eine Fachtagung „Wozu
Bildungsökonomie?“ veranstaltet. Eine der von großem Konsens getragenen
Kernaussagen der Tagungsteilnehmer war, dass Bildung die
Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich zu fördern habe und nicht dem
Imperialismus eines blanken Nützlichkeits- und Verwertungsdenkens sowie
eines
Test- und Quotenwahns ausgeliefert werden dürfe.
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Die bei der Fachtagung von sechs Bildungs-
und
Wirtschaftswissenschaftlern gehaltenen Vorträge werden in Kürze als
Tagungsdokumentation veröffentlicht.
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Für
den
Inhalt
verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)