Josef
Kraus, Bildung geht nur mit Anstrengung
–
Wie
wir wieder eine Bildungsnation werden können,
Hamburg,
Classicus, 2011, pb., 101 S.,
Preis: 9,90 EURO, ISBN 978-3-942848-27-5
(Rezension von Willi Eilsele,
Bund Freiheit der Wissenschaft)
„Analytische
Schärfe, fundiertes Wissen und große Praxiserfahrung“
(Claudia Ludwig): auf diesem soliden
Fundament trägt der Autor (*1949, Präsident des Dt. Lehrerverbandes
seit 1987)
seine 33 Thesen vor. Es ist ein unverfälschtes Bild in einem Spiegel,
den Josef
Kraus den Machern einer Bildungspolitik vorhält, die Schulen mit einem
Hamsterrad
oder gar einem Treibhaus verwechseln. Kein Wunder, dass im Schulalltag
nicht
der Unterricht als das Kerngeschäft im Mittelpunkt steht, sondern das
offene,
vor- und nachsteuerbare Projekt, für das letztlich zuletzt deren
Initiatoren
Verantwortung tragen wollen.
Josef
Kraus „bürstet gegen den Strich der pädagogischen Korrektheit“, um den
Weg zu
einer rationalen, realistischen und vor allem reellen Bildungspolitik
zu
finden, die Gleiches gleich und Unterschiedliches differenziert
behandelt,
schlicht Fakten als Arbeitsgrundlage sieht, denn „Bildung ohne
Anstrengung geht
nicht“ – an allen Schularten. Er sieht in den pädagogischen
Grundprinzipien
Leistung und Auslese die beiden Seiten ein und derselben Medaille, der
Münze
Bildungsgut. Das Risiko des Scheiterns („Sitzenbleiben“) abzuschaffen,
hält
Josef Kraus für pädagogische Falschmünzerei, die Vorstellung von einer
„stressfreien Schule“ ein Hirngespinst.
Seine
Forderung nach Erhalt einer „schulischen Vielfalt statt integrierte
Einheit“
stützt Josef Kraus mit Untersuchungsergebnissen seit den 70-/80er
Jahren. Er
entlarvt Etikettierungen der Superlative: Musterschulen mit Traumnoten
wie die
Odenwaldschule, die vom Gymnasium zur Integrierten Gesamtschule
rückgebaute
Helene Lange-Schule (Wiesbaden) oder die Bielefelder Laborschule und
spricht
sich klar gegen den „unsinnigen Beschleunigungswahn“ am Beispiel der G
8-Reform
aus, die deren Absolventen nicht besser macht, aber sie (nach
Nachsteuerungen)
bei korrigierten Notenschnitten mit Tendenz zu 2,0 besser abschneiden
lässt. Ob
ein heute output-orientiertes, also abschlussorientiertes Schulwesen
sich nicht
morgen punktuellen Zusatz- als Eingangsprüfungen wieder
input-orientiertem
Hochschulwesen oder Einstufungstests der Wirtschaft ausgesetzt sehen
wird?
Das
gesamte Schulwesen steht in der Bundesrepublik Deutschland
verfassungsgemäß
unter der Aufsicht des Staates. Josef Kraus appelliert daher zurecht an
die Politiker
als Gesetzgeber, „wieder die volle Verantwortung für ihre Schulreformen
zu
übernehmen“. Beginnend mit der demokratisch verantworteten sozialen
Errungenschaft
der Schulpflicht setzt sich Josef Kraus engagiert mit angeblich
signifikanten
Steigerungsraten bei den Privatschulen (Schulen in freier Trägerschaft)
auseinander und deren vorgeblicher (!) Leistungsüberlegenheit (vgl.
Untersuchungen des DIPF Frankfurt) und fordert eine „Entzauberung der
Reformpädagogik“ (Bsp. Montessori-, Waldorf-, Jenaplanschulen,
Nachfahren der
Landerziehungsheimpädagogik). Der Autor plädiert nachdrücklich für eine
Einheit
(durch Vergleichbarkeit von Anforderungen in Abschlüssen) in der
Vielfalt des
Bildungsföderalismus und votiert gegen einen Bildungszentralismus, der
zwangsläufig zu (weiterer) Niveauabsenkung auch im
öffentlich-rechtlichen
Schulwesen führen müsse – ein Bärendienst an unseren Jugendlichen.
Josef Kraus
stellt fest, was unseren Schulen als „Mission Hoffnung“ gegönnt sei. Er
präsentiert seine Thesen in einer flüssigen, gewinnenden Art – dennoch
ist es
keine leichte Kost, die er serviert.
Willi
Eisele, Bund Freiheit der Wissenschaft