DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL


Aus der BAYERISCHEN STAATSZEITUNG vom 21. November 2003 *

Bayern streicht ein Schuljahr am Gymnasium

Wer amputiert schon einen Gesunden!
- Neun Argumente für neun Jahre Gymnasium -

Von Josef   K r a u s
 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)


Insider hatten spätestens vor Jahresfrist Wetten abgeschlossen: Nach der Neuwahl zum bayerischen Landtag am 21. September 2003 werde die Verkürzung des Gymnasiums von neun auf acht Schuljahre kommen, so ihre Prognose. Die Wettfreudigen haben ihr Spielchen gewonnen, denn am 6. November verkündete Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber in seiner Regierungserklärung zum Beginn der neuen Legislaturperiode 2003/2008: „Unsere Jugendlichen sollen die bestmögliche Ausgangsposition für ihren Start in das Leben haben ... Deshalb werden wir das Gymnasium auf acht Jahre verkürzen.“

Selten zuvor hat eine Landesregierung mit einer so gravierend in die gesamte Schulstruktur eingreifenden Entscheidung so spontan aus der Hüfte geschossen wie jetzt. Gut, es gab das achtjährige Gymnasium (G8; unter 400 Gymnasien in 15facher Ausfertigung) als – übrigens von Eltern sehr spärlich nachgefragtes – Erprobungsmodell auch in Bayern. Aber regierungsamtlich war bis zuletzt beschwichtigt worden: Von einer flächendeckenden G8-Einführung sei nicht die Rede, und es müssten erst die Ergebnisse der seit zwei Jahren tätigen Bildungskommission abgewartet werden; die Regierungspartei hatte die Kappung der 13. Gymnasialklasse zudem weder im Wahlprogramm noch in Wahlreden oder zuvor in Regierungserklärungen mit einem Sterbenswörtchen angedeutet. Und mit dem Herbst 2003 waren außerdem mit viel Aufwand neue Lehrpläne für ein neunjähriges (!) Gymnasium eingeführt worden. Dass die Gymnasien bis zum heutigen Tag auch nicht erfahren haben, was sie den Eltern bei den bereits laufenden Übertrittsabenden an den Grundschulen zur Zukunft der gymnasialen Laufbahn sagen sollen, zeigt darüber hinaus, mit wie wenig Vorbereitung das G8 politisch verkündet wurde. Aber womöglich war das Kultusministerium an dieser Entscheidung gar nicht beteiligt.

Warum man sich über die Einführung eines flächendeckenden achtjährigen Gymnasiums bis zuletzt ausgeschwiegen hat und warum man es jetzt im Handstreich exekutieren will, darüber blühen die Spekulationen. Immerhin hatte Stoiber noch im Juni 2003 laut Süddeutscher Zeitung erklärt: „CSU wird am 13. Schuljahr festhalten.“ Wer freilich das Ohr nahe an Regierungskreisen hatte, konnte vernehmen, dass im bayerischen Kabinett ab 2002 allenfalls noch drei Leute gegen eine Verkürzung gewesen seien. Selbst ehemalige Verfechter eines neunjährigen Gymnasiums ließen sich in ihrer Begründung auf ihr Einschwenken auf acht Jahre ausweichend mit lateinischen Spruchweisheiten vernehmen: Die Zeiten änderten sich eben, und man steige nie an derselben Stelle in denselben Fluss. Zugleich schwärmten Abgeordnete der Regierungsfraktion aus, um der Eltern- und Lehrerschaft die Sorge um eine Verkürzung der Gymnasialzeit auszureden. Das Kabinett selbst setzte die Frage einer Schulzeitverkürzung im Frühjahr 2003 offenbar bewusst nicht auf die Tagesordnung einer Klausursitzung, weil man keinen Schatten über der damals kurz bevorstehenden Landtagswahl haben wollte, womöglich wäre das Thema ja ein kampagnenfähiges gewesen, das die Träume von den 60 Prozent hätte belasten können.


Bunter Gymnasialteppich in Deutschland

Historisch ist diese Entscheidung gleichwohl – wenn auch kaum im positiven Sinn. Im Jahr 1837 war in Preußen, im Jahr 1874 in ganz Deutschland eine neunjährige Gymnasialzeit eingeführt worden. Im Interesse der Rekrutierung des Offiziersnachwuchses verkürzten die Nationalsozialisten das Gymnasium 1938 um ein Jahr. Die Länder der Bundesrepublik Deutschland stellten im Zuge des Wiederaufbaus 1951 wieder auf 13 Jahre um. Die DDR blieb bei zwölf Jahren.

Seit Beginn der 60er Jahre war im Westen Deutschlands die Frage der Dauer der gymnasialen Bildung bis zum Abitur dann heftig diskutiert worden. Im Jahr 1981 fasste die CDU auf ihrem Hamburger Parteitag den Beschluss zur Verkürzung. Die Folgen sind heute zu besichtigen. Denn jetzt bietet sich in der Frage gymnasialer Schulzeit in Deutschland ein in jedem Jahr, vor allem in jedem Wahljahr wechselnder bunter Fleckenteppich: Unmittelbar in der Verkürzung des Gymnasiums befinden sich Baden-Württemberg und das Saarland. Entsprechende Entscheidungen bzw. zumindest Absichtserklärungen gibt es außer in Bayern in Hessen, Hamburg und Niedersachsen. Thüringen und Sachsen sind nach der Wiedervereinigung bis heute bei den zwölf Jahren aus der DDR-Zeit geblieben, Sachsen-Anhalt hat 1990 CDU-regiert mit zwölf Jahren angefangen, 1994 SPD-regiert auf 13 Jahre erhöht und 2002 wieder CDU-regiert auf 12 Jahre verkürzt; Mecklenburg-Vorpommern fuhr 1990 unter CDU-Regierung erst einmal mit zwölf Jahren fort, ehe es im Zuge des Regierungswechsels 1998 zu SPD/PDS auf 13 Jahre umstellte, um freilich ab 2007 wieder bei zwölf Jahren angelangt zu sein. Rheinland-Pfalz geht den Weg der zwölfeinhalb Jahre, die anderen SPD-geführten Länder hatten und haben die 13 Jahre: Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein. Verkompliziert wird diese Gemengelage noch durch den unterschiedlichen Zeitpunkt, mit dem in den Bundesländern das Gymnasium beginnt. In Berlin und Brandenburg startet das Gymnasium bei sechsjähriger Grundschule mit Klasse 7, bis zum Regierungswechsel 2003 in Niedersachsen nach einer integrierten Orientierungsstufe der Klassen 5 und 6 ebenfalls erst mit Klasse 7. Brandenburg hat zudem seit 1999 als Pilotmodell ein grundständiges achtjähriges Gymnasium ab Klasse 5.

Nun also die Amputation des Gymnasiums um ein Schuljahr in Bayern! Jeder halbwegs Bildungskundige reibt sich die Augen. Das bayerische Gymnasium – und zwar das neunjährige – hat eine hervorragende Reputation. Gut, nicht jeder bayerische Abiturient ist ein Spitzenabiturient; aber in der PISA-Studie erzielt das bayerische Gymnasium nicht nur die besten Werte unter allen deutschen Gymnasien; bezeichnenderweise tut es das, obwohl Schüler in G8-Bundesländern (siehe Sachsen und Thüringen) aufgrund ihrer beschleunigten Schullaufbahn viel weiter als die bayerischen PISA-Fünfzehnjährigen sein müssten. Bayerns Gymnasien rangieren darüber hinaus  im internationalen Vergleich auf einem Niveau, das nicht einmal sündteure, sozial hochselektive Privatschulen in England erzielen. Das bayerische Gymnasium ist also wohlauf, die Amputation eines Schuljahres droht somit zu einem gigantischen Kunstfehler zu werden. Denn: Wer amputiert schon einen Gesunden?


Neun Argumente für neun Jahre

Es ist und bleibt eine Amputation wider besseres Wissen, denn die Fakten und die Argumente sprechen gegen eine Verkürzung.

Argument 1: Das Bildungsziel des Gymnasiums ist die Vermittlung der Studierfähigkeit, die den erfolgreichen Absolventen als Allgemeine Hochschulreife und damit als formale Studienberechtigung bestätigt wird. Diese Zielsetzung verlangt gerade in Zeiten gewachsener Anforderungen nach neun Jahren. Eine fundierte universitäre Hochschulreife ist außerdem die beste Prophylaxe gegen hohe Quoten an Studienabbrechern und gegen überlange Studienzeiten.

Argument 2: Wer mit Blick auf das Gymnasium von der Notwendigkeit einer Entrümpelung an Inhalten und von einem einzusparenden Jahr spricht, muss den Beweis antreten, welche Inhalte gekürzt werden sollen, ohne dass das Bildungsziel darunter leidet; der muss auch davon Abstand nehmen, permanent die Defizite junger Menschen im Bereich der Grundbildung zu beklagen und zugleich stets nach mehr Fremdsprachen, Mathematik, politischer Bildung sowie nach mehr Medien-, Konsum-, Freizeit-, Gesundheits- und Umwelterziehung zu verlangen. Umfassende Fertigkeiten und Kenntnisse in der Muttersprache, in mehreren Fremdsprachen, in Mathematik, in den Naturwissenschaften, in Geschichte und in weiteren Fächern sind die entscheidende Mitgift für Studium und Beruf. Zu moderner gymnasialer Bildung gehört ferner die kulturelle Grundbildung in Kunst, Musik, Sport sowie in Religion bzw. Ethik; dies sind Fächer, die man in den meisten Staaten mit zwölfjähriger Schulzeit nicht hat. Der Verzicht auf diese Inhalte provozierte ein rein funktionalistisches Verständnis von Bildung.

Argument 3: Reifung braucht Zeit. Das gilt für die intellektuelle Entwicklung ebenso wie für die Entwicklung von Haltungen und für die Persönlichkeitsentwicklung insgesamt. Alle Entwicklungsbereiche brauchen den außerunterrichtlichen und außerschulischen Freiraum. Eine Verdichtung der gymnasialen Bildung entzöge jungen Menschen wertvolle Entfaltungs- und Erprobungschancen. In jedem Fall leidet unter der Verkürzung das schulische Angebot an Schultheater, Musikgruppen, Wettbewerben, internationalen Austauschaktionen usw; dergleichen wird bei einem zusammengestauchten Gymnasium mit bis zu 38 Wochenstunden für die Schüler (ohne Hausaufgaben) kaum noch Platz finden.

Argument 4: Das neunjährige Gymnasium ist Teil eines sensibel aufeinander abgestimmten Bildungswesens. Deshalb provoziert eine Kürzung des Gymnasiums eine Verarmung der Schullandschaft. Die Strukturen würden im Sinne überholter egalitäter Bildungsvorstellungen vereinheitlicht. Man beachte: Die Hauptschule wurde um ein Jahr verlängert, nämlich um die freiwilligen 10. Klassen bzw. die 10. Klasse des Mittlere-Reife-Zuges; die Realschule wurde um zwei Jahre, nämlich die 5. und 6. Klasse, zur R 6 verlängert. Und schließlich ergibt sich eine drastische Schieflage zuungunsten der beruflichen Bildung: Es ist zukünftig schwer nachvollziehbar, warum 13 Jahre für den Erwerb eines Mittleren Schulabschlusses plus Berufsausbildung, aber nur 12 Jahre für den Erwerb des Abiturs mit der damit verbundenen breiten Palette aller Optionen notwendig seien. Ergo: Die Verkürzung bedeutet einen massiven Eingriff in das austarierte Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen.

Argument 5: Das Gymnasium ist in den vergangenen 30 Jahren von der 10-Prozent-Schule zur 40-Prozent-Schule, in manchen Gegenden Bayerns sogar zur 50- und 60-Prozent Schule geworden. Diese Expansion verlief schulpolitisch nicht ohne Probleme. Gleichwohl ist es unrealistisch zu glauben, das Gymnasium könnte wieder zur 10-Prozent-Schule werden, in der man in acht Jahren mit einem kleinen Kreis hochbegabter Schüler zum Abitur käme. Die überwältigende Anzahl der Gymnasiasten braucht neun Jahre. Alle Verkürzungsmodelle der letzen Jahrzehnte orientierten sich an besonders Begabten. Die Angebote einer individuellen Schulzeitverkürzung durch "Springen" werden kaum genutzt (in Bayern pro Jahr von 0,1 Promille, entsprechend 25 Gymnasiasten); ebensowenig werden die Angebote von D-Zug-Klassen genutzt: In Bayern, das in den 60/70er Jahren flächendeckend solche Modelle erprobte und wieder aufhob, kam 1996 und 1997 - trotz entsprechend großzügiger Angebote - eine Springer-Klasse weder in der 8. noch in der 6. Jahrgangsstufe zustande. Erst als man ein G8-Modell mit zusätzlichen Lehrerstunden ausstattete, wuchsen die Begehrlichkeiten, dergleichen einzurichten. In Baden-Württemberg war es kaum anders: Die dort eingerichteten D-Zug-Klassen wurden im Schuljahr 1997/98 von rund 800 Schülern, entsprechend rund 0,2 Prozent aller Gymnasiasten, besucht. Wissenschaftliche Untersuchungen zu G8-Gymnasien zeigen außerdem, dass diese Form allenfalls für ein Fünftel der Gymnasiasten geeignet ist.

Argument 6: 13 Jahre Schulzeit bis zum Erwerb einer Hochschulreife sind international sehr wohl üblich. 13 Jahre hat England mit fachspezifischer Hochschulreife als Abschluss, 13 Jahre mit Allgemeiner Hochschulreife haben Luxemburg und mehrere Kantone der Schweiz, 14 Jahre die Niederlande und Island. Mit Ausnahme Belgiens und Österreichs vergeben alle Länder, die nur 12 Jahre kennen, eine nur fachspezifische bzw. eingeschränkte Hochschulreife, zumeist begleitet von einem Aditur, das heißt einer Hochschulzugangsprüfung. In Belgien und Spanien wird zwar formal eine allgemeine Hochschulreife verliehen, tatsächlich wird jedoch auch dort eine eingeschränkte Vergabe der Hochschulreife durch zusätzliche fachspezifische Eingangsprüfungen praktiziert. Frankreich hat 12 Jahre, aufgrund der hohen Repetentenquote von rund 70 Prozent und aufgrund der für viele Studienaspiranten notwendigen "classe préparatoire" de facto zumeist 13 oder 14 Jahre.

Argument 7: Wer meint, die Verkürzung des Gymnasiums erbringe Einsparungen, ist auf dem Holzweg. Vielmehr werden dadurch Mehrkosten provoziert. Diese Mehrkosten entstünden in den Hochschulen, die systemwidrig kompensieren müssen, was in der Schulzeit versäumt wurde. Außerdem verlangt eine Verkürzung des Gymnasiums eine Verdichtung des Bildungsangebots in Form von Nachmittagsunterricht und damit Mehrkosten in den Bereichen Personal und Schülerbeförderung. Zu befürchten ist ansonsten: Die Staatsregierung bietet das G8-Gymnasium stellenneutral, das heißt ohne Stellenstreichungen an. Allerdings weiß man, dass es eines nicht fernen Tages für alle wiederzubesetzenden Lehrerstellen nicht genügend Bewerber vorhanden sein werden. So wird G8 am Ende mit weniger Lehrern auskommen müssen. Volkswirtschaftlich relevante Belastungen entstehen aber im sozialpolitischen Bereich, denn im Moment der Umstellung auf ein verkürztes Gymnasium drängen mit einem Male zwei Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt. Auf Bayern bezogen heißt das: Wenn die gymnasialen Fünftklässler des Schuljahres 2004/2005 die ersten mit verkürzter Schulbildung sind, dann kommen im Herbst 2012 zwei Abiturjahrgänge auf den Hochschul- bzw. Ausbildungsmarkt, nämlich der letzte, jetzt in der 5. Jahrgangsstufe steckende Jahrgang mit neun Gymnasialjahren und der erste mit acht Jahren. Das sind dann allein in Bayern nicht wie jährlich üblich rund 25.000 junge Leute, sondern 50.000.

Argument 8: Das im internationalen Vergleich hohe Berufseintrittsalter deutscher Akademiker geht ausschließlich zu Lasten einer in Deutschland üblichen, relativ späten Einschulung mit einem Einschulungsalter von 6,8 Lebensjahren, zu Lasten des Wehr- bzw. Ersatzdienstes, zu Lasten langer Gesamt- und Fachstudienzeiten sowie zu Lasten der Praxis, dass die übergroße Mehrzahl der Studiengänge aufgrund der Überlastung der Hochschulen nur im Wintersemester beginnt. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung bestätigt zudem, dass G8-Abiturienten das gewonnene Jahr nicht für einen Studienbeginn, sondern fürs Reisen und Jobben nutzen.

Argument 9: Einziges Kriterium für die Bemessung der Länge eines Bildungsweges darf die angestrebte Qualifikation sein. Um diese Qualifikation zu stärken, hier die Qualität gymnasialer Bildung und des Abiturs, sind völlig andere Maßnahmen notwendig: Es sind zu stärken das schulische Leistungsprinzip und das Eignungsprinzip beim Zugang zum Gymnasium. Es ist sodann zu stärken die Verbindlichkeit eines Fächerkanons, der bis zum Abitur vor allem auf den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und Geschichte aufbaut.

Indes erklärt der bayerische Ministerpräsident: „Wir sind überzeugt, dass das G8 den Jugendlichen mehr Vorteile und Chancen bietet.“ Und weiter: „Das künftige achtjährige Gymnasium wird den gleichen Qualitätsstandard bieten wie das bisherige neunjährige Gymnasium.“ Wenn da mal nicht nur der Wunsch der Vater des Gedankens ist! Der 6. November, der Tag der Regierungserklärung, könnte somit als schwarzer Tag in die Geschichte des Gymnasiums eingehen – als ein Tag, an dem Maßstäbe der Qualität simplen Quantitäten und einem blanken Ökonomismus geopfert wurden. Vor Ort aber bleibt der Zorn, und zwar – um eine schulpädagogische Protzvokabel zu bemühen – nachhaltig. Ob all dies den zukünftigen bayerischen PISA-Ergebnissen gut tut, sei dahingestellt.

Ansonsten erinnert derzeit vieles in der schulpolitischen Debatte - nicht nur in Bayern - an einen Ausspruch des alten Römers Gaius Petronius. Dieser war eines Tages des Herummontierens im Staate überdrüssig. Deshalb meinte er: Wir organisieren ständig um und strukturieren ständig neu. Es ist dies eine phantastische Methode: Nichts wird dadurch besser, aber wir erleben damit die Illusion des Fortschritts. Der alte Clausewitz hat es kaum anders zum Ausdruck gebracht, als er meinte: Gottlob wird der Übereifer der Führenden durch die Besonnenheit der einfachen Leute vor Ort wieder ausgeglichen.

Was bleibt sonst? Es bleibt der zornige Trost, dass es das Gymnasium in Deutschland seit 1788, also seit 215 Jahren gibt und dass es damit schon so manche Regierung und so manche Reform überstanden hat. Und: Die bayerischen Gymnasien werden auch in Zukunft wohl mehr leisten, als es so manche Schulreform überhaupt zulässt.

* Der vorliegende Beitrag wurde in der BAYERISCHEN STAATSZEITUNG mit geringfügigen Kürzungen veröffentlicht.


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